Die größte deutsche Volksaktien-Gesellschaft, die Veba AG, Düsseldorf, an deren Kapital von 1,03 Milliarden Mark die öffentliche Hand mit 40 Prozent beteiligt ist, betrachtet die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr mit einer guten Portion Skepsis. Der Vorstandsvorsitzende, Rudolf von Bennigsen-Foerder, der noch im Vorjahr frühzeitig eine unveränderte Ausschüttung von 14 Prozent für das Geschäftsjahr 1971 angekündigt hatte, sieht sich nicht in der Lage, eine Dividendenprognose für 1972 abzugeben. Es wäre – so meinte er – bereits ein Erfolg, wenn die 14prozentige Ausschüttung beibehalten werden könnte.

Von Bennigsen steht mit seiner Dividendenpolitik zwischen zwei Feuern. Auf der einen Seite muß er, nachdem in diesem Jahr keine Rücklagenbildung möglich war, angesichts der großen Investitionsvorhaben in den vier Sparten Energie, Chemie, Glas und Handel möglichst bald etwas für die innere Stärkung der Tochtergesellschaften tun, auf der anderen Seite aber muß er auch die Aktionäre, die im vergangenen Jahr eine Kapitalerhöhung um 206,25 Millionen Mark zu 200 Prozent finanzierten, pfleglich behandeln. Denn schon 1974 will er sie wieder zur Kasse bitten, weil bis 1976 ein Investitionsprogramm von sieben bis zehn Milliarden Mark ansteht.

Wie die Entscheidung über die Dividende 1972 aussehen wird, will von Bennigsen von der Konjunkturlage im kommenden Frühjahr abhängig machen. Sieht er deutliche Silberstreifen am Horizont, glaubt er noch einmal auf eine Rücklagenbildung zugunsten der Aktionäre verzichten zu können. Andernfalls werden sich die Aktionäre mit dem Gedanken an eine Dividendenkürzung befreunden müssen.

Die Entwicklung in den ersten vier Monaten läßt noch keine deutlichen Rückschlüsse zu. Die seit Jahresbeginn spürbare Konjunkturbelebung machte sich im Veba-Konzern nur auf dem konsumnahen Bereich bemerkbar. So stieg der Energieabsatz um 18 Prozent, die Handelsumsätze nahmen um sieben Prozent zu. Dagegen büßten Chemie fünf Prozent und die Sparte Glas sogar acht Prozent des Vorjahresumsatzes ein. mh