Die Fachgeschäfte für Mutter und Kind machten Selim Zilkha zum Multimillionär

Nur wenige Leute werden in fünf Minuten um runde 30 Millionen Mark reicher. Einer davon ist Selim K. Zilkha, ein in Großbritannien lebender Irako-Amerikaner, Bankierssohn, Gründer, Vorsitzender und Managing Director von Mothercare – "alles für die werdende – Mutter; ihr Baby und Kinder bis 5", wie der Slogandieser erfolgreichsten aller neuen Ladenketten heißt. –

Den genannten Betrag – vier Millionen Pfund – konnte Zilkha jüngst kassieren, als er Mothercare vom Familien- zum Publikumsunternehmen wachsen ließ. Acht Millionen Aktien mit einem Nennwert von zehn Pence ließ er zu einem Kurs von 165 Pence emittieren, wurde in der City kräftig kritisiert ("viel zu teuer") und durfte als "freudiges Ereignis" feiern, daß die Papiere von der Börse in London sofort mit 195 Pence eingeschätzt wurden. Der Wert seiner eigenen 15 Millionen Anteile stieg also um rund vier Millionen Pfund. Seine Beteiligung an der Gruppe ist nun 28 Millionen Pfund wert. Mit Bruder Ezras acht Millionen bleibt das Unternehmen dennoch fest in Zilkha-Besitz.

Seine Story ist beileibe nicht das Märchen vom armen Araberbub, der es vom Tellerwäscher oder Schuhputzer zum Multimillionär gebracht hätte. An Geld hat es dem heute 45jährigen Wachstumsspezialisten nie gefehlt. Einer seiner ersten europäischen Geschäftspartner heißt schließlich Jimmy Goldsmith, der es mit seiner multinationalen Cavenham/Générale Occidentale-Gruppe zum drittgrößten Krämer auf dem alten Kontinent (und Teilbesitzer des Eiffelturms) gebracht hat. Doch Zilkha zeigte, wie man sich eine Marktlücke schaffen und diese dann mit Hartnäckigkeit und gutem Geschäftssinn ausfüllen kann.

Die Legen de will es – und davon gibt es schon einige –, daß er auf die Mothercare-Idee kam, als er die Rechnungen für seinen eigenen Nachwuchs begleichen mußte. Daß sich die britische Bevölkerung überhaupt noch vermehren konnte, soll ihm angesichts der damit verbundenen Kosten als ein kleines Wunder erschienen sein. So jedenfalls berichtet Sheila Black, Konsumentenspezialistin der Financial Times. Und gegen diese Schwangerschafts-Ausbeutung habe er etwas unternehmen wollen.

Solch edle Motive allein muß man Zilkha ja nicht unbedingt unterschieben. Er könnte 1961, als er mit Goldsmith zusammen in Frankreich tätig war – von Prénatal, der französischen Ladenkette für werdende und gewordene Mütter, die Idee übernommen haben, den britischen Markt für Babybedarf mit einem Volumen von jährlich etwa 150 Millionen Pfund auszunützen.

Zilkha kaufte die Drogerienkette Lewis & Burrows und wollte darin Mutter-und-Baby-Boutiquen einrichten. Doch der Erfolg blieb aus. Also verkaufte er wieder und erwarb die fünfzig Kinderwagenläden von W. J. Harris. Die Hälfte schloß er sogleich, stieß die Liegenschaften ab und holte sich den Textilspezialisten Barney Goodman als bis heute treuen Partner. Beide zusammen besaßen viel Enthusiasmus und wenig Fachkenntnisse.