Von Dieter Strametz

Wer mit Bewerbern spricht, die nach ihrem Diplom-Examen eine Anfangsstellung suchen, der stößt meist auf vage Vorstellungen von den Tätigkeiten und Anforderungen der Wirtschaftspraxis. Nach vier bis fünf Jahren überwiegend rezeptiven Lernens von Fakten und Methoden, die immer mit Blick aufs Examen gebüffelt werden, fällt es dem frischgebackenen Diplom-Kaufmann oder -Volkswirt schwer, seine beruflichen Ziele zu artikulieren und unter angebotenen Alternativen nach eigenen Kriterien zu wählen.

Womöglich durch das Erfolgserlebnis eines "Prädikatexamens" bestärkt, kompensiert der Jungakademiker seine Unsicherheit durch ein hohes Anspruchsniveau. Das gebotene Anfangsgehalt wird dann zum wichtigsten (wenn nicht einzigen) Entscheidungskriterium. Das bestätigen die Ergebnisse einer Repräsentativbefragung von Studenten der Wirtschaftswissenschaften, die ihre berufliche Laufbahn in Großunternehmen beginnen wollen.

Als unabdingbare Forderungen an die spätere Position werden von mehr als der Hälfte weiter genannt:

  • eine Tätigkeit, bei der immer wieder neue interessante Probleme auftauchen;
  • Kontakt mit Menschen;
  • Überblick über größere Arbeitsabläufe; • Entscheidungsbefugnis;
  • Übernahme von Verantwortung.

Diese Erwartungen stimmen im wesentlichen mit den Versprechungen in Vorstellungsgesprächen überein. Woran liegt es dann, daß sich die erwartete große Zufriedenheit mit dem neuen Beruf gerade in der Anfangsphase der Berufstätigkeit nur selten einstellt?

Meist kommen mehrere Ursachen zusammen. Schon das stolz weitererzählte Anfangsgehalt reicht nach allen Abzügen und Aufwendungen, die das "Etabliertsein" mit sich bringt, nicht mehr zu großen Sprüngen. Liebgewordene Freizeitbeschäftigungen und die individuelle Tageseinteilung müssen für regelmäßige Bürostunden – und Überstunden – geopfert werden.