Die Bundesrepublik sollte die diplomatischen Beziehungen mit der Volksrepublik China möglichst noch vor dem Wahlkampf aufnehmen, um dieses Thema aus der polemischen Auseinandersetzung herauszuhalten. Einem baldigen Botschafteraustausch stehen, wie Peking schriftlich niederlegte, "keine Hindernisse im Wege", weder Klauseln noch Vorbehalte. Die Zeit zur Normalisierung sei jetzt reif. Dies gab der ehemalige Außenminister Schröder am Montag in Bonn bekannt.

Schröder hatte am Freitag einen zweiwöchigen Besuch der Volksrepublik China beendet, bei dem er auch mit Ministerpräsident Tschou En-lai Gespräche geführt hatte. Am Wochenende informierte er Außenminister Scheel in dessen Urlaubsort bei Salzburg. Die Bundesregierung erklärte inzwischen ihre Bereitschaft zu Verhandlungen mit Peking, lehnte aber eine "Blitzaktion" ab: Es müßten noch sehr viele Einzelfragen detailliert behandelt werden.

Am Tage vor Schröders Abreise aus China hat Peking auch via Algier das Geheimnis um den designierten Mao-Nachfolger und früheren Verteidigungsminister, Marschall Lin Piao, gelüftet, Lin Piao starb, zusammen mit Frau und Sohn, am 12. September 1971, als sein Flugzeug über der Mongolischen Volksrepublik abstürzte. Er sei auf der Flucht in die Sowjetunion gewesen, nachdem ein Putschversuch und ein Mordanschlag auf Mao mißglückt waren, in die auch der frühere Sekretär des Parteivorsitzenden, Tschen Po-ta, verwickelt gewesen sei. Eine Hongkonger Zeitung wollte am Montag wissen, daß diesem Komplott Auseinandersetzungen zwischen Lin Piao und Tschou vorausgegangen sind. Lin habe für eine drastische Erhöhung der Militärausgaben und eine Allianz mit der Sowjetunion plädiert.

Lins Ämter sollen bald neu besetzt werden. In Peking gilt als sicher, daß Tschou nun auch offiziell zum Nachfolger Maos bestellt wird. Das Amt des Verteidigungsministers soll Jeh Tschienjing zufallen. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Militärausschusses der KP Chinas und gilt als Vertreter des gemäßigten Flügels.