Kanzleramtsminister Horst Ehmke hielt es zwar unlängst für "baren Unsinn", daß der Chefökonom des Kanzlers, Ministerialdirektor Karl Otto Pöhl, bei einer Neuauflage der sozialliberalen Regierung erster Regierungssprecher und damit Nachfolger von Conrad Ahlers werden könnte. Dennoch hält sich dieses Gerücht hartnäckig. Aus der Umgebung von Ahlers-Stellvertreter Rüdiger von Wechmar ist zu hören, daß es nicht gerade unsinnig sei, Pohl zum Staatssekretär des Bundespresseamtes zu machen. Denn die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik rückt immer mehr in den Blickpunkt der allgemeinen Politik. Zuvor freilich müssen erst die Wahlen gewonnen werden.

Zur Ungewißheit über das politische Schicksal von Karl Schiller steuerte der Vorsitzende des CDU-Arbeitskreises für Wirtschaft und Finanzen, Ernst Müller-Hermann, langjähriger Wirtschaftssprecher seiner Fraktion, einige neue Nuancen bei. Auffallend ist dabei, daß er (im Gegensatz zu Franz Josef Strauß) kaum etwas Positives über den Exminister zu berichten weiß.

So erklärte Müller-Hermann: "Die CDU wird weder hinter ihm herlaufen noch um ihn buhlen." Und: "Daß er in der Opposition große Sprüche geklopft hat, wie er beispielsweise die Inflation von drei auf ein Prozent herunterdrücken wollte, kann wohl schon vorkommen." Ein weiterer Kommentar des streitbaren Christdemokraten: "Wir haben seitens der CDU in Schiller nicht nur den Repräsentanten einer schlechten Regierung kritisiert, sondern auch den Theoretiker, der selbst zu sehr an die Machbarkeit wirtschaftspolitischer Entwicklungen geglaubt hat und der sich eben daher in seinen Prognosen allzu oft geirrt hat."

Witzelte ein CDU-Fraktionsangestellter: "Schiller in einer CDU-Regierung? Als persönlicher Referent von Strauß, das mag sein." Womöglich hatte Müller-Hermann vor seiner Schiller-Kritik auch noch einmal im "Bayern-Kurier" (Herausgeber: Franz Josef Strauß) nachgeblättert. Dort stand vor noch nicht allzu langer Zeit: "Karl Schiller ist am Ende. Politisch und persönlich hat sich ein Politiker, der sich vorrangig durch egozentrische Selbstüberheblichkeit auszuzeichnen pflegt, weitgehend durch eigene Schuld zunächst ins Abseits und dann ins politische Aus manövriert."

"Platov-Briefe"-Schreiber Gerhard Czerwensky wußte wieder einmal mehr als alle, die es eigentlich hätten wissen müssen. So verkündete Czerwensky, ein Ministerialrat a. D. Rudolf von Preuschen, langjähriger Bezirksvorsitzender der FDP in Koblenz-Montabaur, habe 25 FDP-Mitglieder auf Burg Lahneck eingeladen. Auch Ex-FDP-Vorsitzender Erich Mende, von FDP und IOS zur CDU übergewechselt, sei bei den Burggesprächen mit von der Partie gewesen. Das Ergebnis nach dreistündiger Debatte: Mehr als die Hälfte aller Anwesenden habe den Austritt aus der FDP erklärt.

Doch bei der Bonner FDP-Zentrale waren weder dieser noch ähnliche Vorgänge bekannt. Daß Mende sich im An- und Abverben versucht, will man bei der FDP allerdings nicht ausschließen. Die Mainzer FDP-Zentrale kategorisch: "Das stimmt alles nicht. Richtig ist, daß Preuschen bei der Ostdebatte erklärt hat, er trete aus der Partei aus und werde das noch schriiftlich nachreichen. Bisher ist nichts eingegangen, aber wir haben Preuschen aus der Kartei gelöscht."

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