Seit Hanoi Mitte Juni die Amerikaner beschuldigt hat, systematisch Dämme und Deiche in Nordvietnam zu bombardieren, reißt die Diskussion um dieses Thema nicht ab. In der vorigen Woche legten beide Seiten Dokumentationen vor. Die USA bestritten gezielte Angriffe und gaben zwölf Zufallstreffer zu, die aber keinen Hauptdeich durchbrochen hätten. Nordvietnams Statistik zählt dagegen in den vergangenen drei Monaten 135 Zielanflüge mit 1243 Bombenabwürfen auf 58 Deichabschnitte und 46 Anlagen zur Bewässerungsregulierung.

Die Lage ist für Hanoi mehr als kritisch: 15 der 22 Millionen Bewohner leben auf 12 000 Quadratkilometern nördlich und südlich des Roten Flusses, der während der Regenzeit im Juli/August vierzigmal soviel Wasser wie in der Trockenzeit führt. Fast 4000 Kilometer Deiche, einige bis zu 30 Meter breit, schützen die Anwohner vor den Flüssen, deren Grund wegen der Anschwemmungen zum Teil schon höher liegt als das umgebende Kulturland. Schäden des verheerenden Hochwassers von 1971 könnten wegen Mangel an Arbeitskräften nicht behoben werden. Brechen die Hauptdeiche – und die Erschütterung von Bombenexplosionen in größerer Entfernung schwächt die Dämme gefährlich – kann das Land fünf bis sechs Meter unter Wasser stehen.