Von Kai D. Eichstädt

Elvira konnte dem historischen Ereignis wenig Begeisterung abgewinnen: "Das Zeug stinkt", meinte sie und fügte entschuldigend hinzu: "Ich mein’, es riecht halt komisch." Was die 15jährige Tochter des Wiesbadener Interbrew-Aktionärs Walter Ebert respektlos mit Zeug bezeichnet, ist das Ergebnis einer nun rund zehn Jahre dauernden Entwicklungs- und Forschungsarbeit: Das Zeug ist das erste unter industriellen Bedingungen hergestellte Bierwürzekonzentrat; es stammt aus einer neuen Konzentratfabrik in der hessischen Kleinstadt Bebra.

Wenn die optimistischen Interbrew-Gesellschafter recht behalten, dann wird schon in wenigen Jahren die Stadt an der Zonengrenze für Bierliebhaben die gleiche Bedeutung haben wie Atlanta (Hauptstadt des US-Bundesstaates Georgia) für Coca-Cola-Fans. Aus Atlanta wird an die Coca-Cola-Abfüllstationen in der ganzen Welt der Grundstoff für den erfrischenden Softdrink verschickt: Ein Konzentrat, das mit Wasser verdünnt in Flaschen abgefüllt wird.

Der Stoff aus Bebra ist allerdings nicht ganz so einfach weiterzuverarbeiten. Das Bierwürzekonzentrat, es schmeckt wie Malzextrakt, wird nicht nur mit Wasser verdünnt. Es muß anschließend noch mit Hefe versetzt und vergoren werden. Nach etwa drei Wochen, wenn das Bier "gereift" ist, wird es in Flaschen abgefüllt. Vor vier Wochen wurde das erste auf diese Weise gewonnene Bier von der Old Munich Brewing Company in Miami abgefüllt. Als "Biberbräu" soll nun der Gerstensaft in Florida verkauft werden.

Das Echo konservativer deutscher Braumeister auf diesen Erfolg fiel spärlich aus: Ihr Fachblatt, die "Brauwelt", widmete dem Ereignis nur eine Kurzmeldung. Ein Wort aus dieser Brauwelt-Meldung hat die Hüter des "großen Namens des deutschen Bieres" freilich in Bewegung gebracht. Rechtsanwalt Gerhard Ohneis, Geschäftsführer des "Vereins Münchener Brauereien" will untersuchen lassen, ob "Biberbräu" in Amerika als "Importbier" verkauft werden darf.

Seiner Meinung nach ist das Gebräu aus Miami, kein deutsches Bier. Für den Rechtsanwalt aus München ist Bier immer noch etwas, "was man trinken kann". Die Old Munich Brewing Company, über die "Interbrew USA Ltd" ein Unternehmen der Züricher Interbrew-Holding, importiert aber nichts Trinkbares, mithin darf das Endprodukt nicht Importbier heißen.

Freilich stehen für eine einstweilige Verfügung die Chancen nicht besonders gut: Zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik gibt es noch keinen Vertrag, der die amerikanischen Behörden verpflichtet, von sich aus den Mißbrauch, des Namens Bier zu verhindern. Die Brauerei in Miami wurde von der amerikanischen Kontrollbehörde, der Food and Drug Administration, lediglich verpflichtet, auf jeder Flasche Biberbräu zu vermerken: brewed in Germany, fermented in USA.