Frauen, Frauen und nochmals Frauen", so hatte SPD-Vize Herbert Wehner schon nach dem Wahlkampf zum fünften Bundestag erkannt, füllen jenes Reservoir, aus dem sich neue Wählerstimmen gewinnen ließen. Und gezielter als je zuvor in den fünf Gefechten seit 1953 will die Koalition jetzt um rund 23,3 Millionen Bürgerinnen buhlen. Landtagswahlergebnisse in letzter Zeit bestärken ihre Hoffnung auf Erfolg; bestärken ihre Zuversicht, nach mehr als einem halben Jahrhundert möge endlich enden, was sie noch stets nachhaltig verspüren mußten. SPD-Senior Carlo Schmid: "Das Frauen Wahlrecht hat die Partei ruiniert."

Weiblichkeit nicht allein zu gewinnen, sondern ihr "noch mehr als bisher zu helfen, ihre gleichberechtigte Rolle in Familie, Beruf, Politik und Gesellschaft zu erfüllen", dazu hatte sich Willy Brandt in seiner Regierungserklärung vom Oktober 1969 verpflichtet. Zufall war es schon, aber es hat nun doch Methode, daß die Bundesregierung gerade rechtzeitig zum Auftakt der nächsten Wahlkampagne zusammenfassend darlegte, wieweit sie das Versprechen von 1969 eigelöst, was sie getan hat für die Frau.

Der "Bericht über die Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Frau", im Juli vom Bundeskabinett verabschiedet, mußte denn auch von Gegnern der Koalition gehörig disqualifiziert werden, um Zustimmung, Ja-Stimmung auf seiten der Umworbenen (wo’s geht) zu schmälern.

Daß mit dem verwirklichten Reformprogramm ein Jahrhundertwerk gelungen sei in knapp drei Jahren krisenanfälliger Amtszeit, das hat weder Willy Brandt vermutet noch Walter Arendt behauptet, unter dessen Federführung diese zweite Frauen-Enquête (die erste kam 1966 heraus) erarbeitet wurde. Gesagt wird (und daran ist nichts übertrieben), "daß sich die rechtliche Situation der Frau erheblich verbessert hat".

Zweifellos kommen dabei jene rund 100 Gesetze, Maßnahmen und Vorhaben, die teils verwirklicht, teils in Vorbereitung, teils noch in Angriff, zu nehmen sind, überwiegend der Frau im Beruf zugute – wie etwa das Ausbildungsförderungsgesetz, das Arbeitsförderungsgesetz, die gesetzliche Unfallversicherung. Doch gerade an diesen erzielten Fortschritten nun Kritik aufzuhängen und die benachteiligte, die vergessene Zunft der Hausfrauen zu beklagen, die "um so spürbarer in den Schatten der gesellschaftlichen Entwicklung" geraten (so stand’s in der Welt), grenzt an Heuchelei. Denn konsequenterweise hieße das, die geltende Gesellschaftsform anzuprangern und nach Systemveränderung zu rufen – was wohl nicht beabsichtigt war.

Die Benachteiligung der Nur-Hausfrau ist ein Faktum und wird ein Faktum bleiben, solange unsere Gesellschaft die Familie als ihre unantastbare Basis begreift. Reformen zugunsten der Hausfrau, die noch ausstehen und zu Recht gefordert werden, können diese Ungleichheit erleichtern, nie beseitigen. Dagegen hilft nur die freie Entscheidung der Frau für oder gegen Familie, für oder gegen Kinder.

Diese Entscheidungsfreiheit ist gegeben – und sie schließt immer den Entschluß mit ein, sich zu bescheiden, zu verzichten (zum Beispiel auf ein Kind). Wer Gleichberechtigung sagt und dennoch nicht verzichten will, muß die Familie beseitigen oder weiterlamentieren wie die Kaffeetanten der Emanzipation.