Durch die Feder des leitenden Redakteurs von "Newsweek", Arnaud de Borchgrave, schilderte der ägyptische Präsident Anwar el Sadat seinen Konflikt mit der Sowjetunion:

"Sie können sich nicht – vorstellen, was ich durchgemacht habe, seit ich Präsident geworden bin. Es gab kaum einen ruhigen Tag, ohne irgendwelchen Ärger mit den Russen. Sie haben mir niemals getraut Sie behaupteten, ich sei pro-amerikanisch und überzeugten (den früheren Vizepräsidenten) Ali Sabri, daß ich Ägypten an die Amerikaner verkaufen wolle. Ich habe mir den Mund fusselig geredet...

(Im März 1971 bat Sadat zum ersten Mal um Mig 23-Flugzeuge und bekam eine Zusage.) Die Sowjets erzählten mir, die Mig 23 würden bald abgeschickt werden und sie würden sofort mit der Schulung unserer Piloten für diese Maschinen beginnen. Sie kamen niemals. Statt dessen versuchten sie, mich durch den fehlgeschlagenen Coup von Ali Sabri zu stürzen.

Dann suchte mich (Botschafter) Winogradow auf und gab bekannt, (Präsident) Podgorny wolle so rasch wie möglich nach Kairo kommen. Es sei dringend, sagte er. Ich erklärte ihm, ich sähe keinen Grund für solch einen Besuch, aber als er sagte, es stehe in Verbindung mit unserer Bitte um moderne Waffen, stimmte ich zu. Als Podgorny im Mai letzten Jahres kam, zog er einen Vertrag aus der Tasche und sagte, ich solle ihn unterschreiben. Das war der erste Hinweis auf einen neuen Vertrag, den ich erhielt. Ich sagte, das sei nicht nötig. Aber er blieb sehr hartnäckig und sagte, er könne ohne Vertrag nicht nach Moskau zurückkehren ... Podgorny wollte "Nein" als Antwort nicht akzeptieren ... Dann gab er mir sein feierliches Ehrenwort, daß vier Tage nach seiner Heimkehr die ersten Mig 23 in Ägypten ankommen würden. Aus diesem Grund entschloß ich mich zur Unterschrift...

Vier Tage, vier Monate, acht Monate vergingen und nichts geschah ... (Auch im Oktober 1971, im Januar und April 1972 konnte Sadat bei Besuchen in Moskau keine Änderung der sowjetischen Haltung erreichen.)

Noch mehr leere und gebrochene Versprechen. Dann entschied ich, daß jetzt die Zeit gekommen sei, unsere Beziehungen ein für allemal zu klären. Und am 1. Juni dieses Jahres schickte ich Breschnjew einen Sieben-Punkte-Fragebogen und sagte klipp und klar, daß die künftige Politik Ägyptens von seinen Antworten abhänge. Ich wollte wissen, ob sie nun die Ausrüstung liefern wollten oder nicht, um die wir immer wieder gebeten hatten und von der sie immer wieder versprochen hatten, sie sei schon auf dem Wege ... Am 15. Juni lag noch keine Antwort vor, und so schrieb ich wieder einen Brief, wiederholte meine sieben Fragen und mahnte die Russen, daß viel von ihren Antworten abhinge.

Am 7. Juli teilte man mir mit, daß Winogradow mich sofort sprechen möchte. Hafez Ismail (Sacats Sicherheitsberater) und noch ein Assistent waren dabei, als der Botschafter in das Zimmer kam. Er sagte, er habe Moskaus Antwort erhalten. Sie war in Arabisch, und ich bat meinen Assistenten, sie vorzulesen. Ich lehnte mich vor und hielt beim Zuhören meinen Kopf in den Händen.