Ob im Fernsehen oder in Comic-Heften – den Jüngsten wird nur Ramsch geboten

Von Günter Herburger

Ein Prozent Kultur für die Kinder

In Deutschland herrscht Kinderfeindlichkeit Wenn es in Treppenhäusern laut wird, Aufzüge nicht mehr funktionieren, wenn auf Rasenflächen Gräser flach liegen oder in Hinterhöfen Teppichstangen zu klingeln beginnen, dann werden Kinder angeschrien, sie sollen leise sein, die Finger von dem und jenem lassen, am besten lautlos zu schweben anfangen. Kinder fungieren in unserem Land als bequem unterdrückbare Minderheit, an der Erwachsenenstärke sich immer wieder aufrichten kann.

Dieses Gewaltprinzip, das Eltern das Züchtigungsrecht gesetzlich garantiert, läßt sich auch mit Zahlen belegen. Etwa 100 Kinder werden jährlich zu Tode mißhandelt, auf 1000 schätzt man die mittelbaren und unentdeckten Opfer. Nicht das Recht der Kinder auf Verständnis und Anerkennung wird honoriert, sondern negativ die Anpassung formuliert.

Genauso schlimm sieht es mit den sozialen Maßen aus. Nach den bundesbaulichen Richtlinien steht jedem Kind pro Wohneinheit 10 bis 11 Quadratmeter Wohnfläche zu, jedoch jedem Haushalt 25 Quadratmeter Abstellplatz. Ungefähr eine Million Kinder haben noch nicht einmal ein eigenes Bett.

Spielplätze fehlen in Deutschland etwa 25 000, obwohl nur 0,5 Quadratmeter pro Wohneinheit, nicht für jedes Kind allein, vorgeschrieben sind, In England sind es sechs Quadratmeter, in Rußland gar 25. Nur ein Drittel unserer Kinder können mit einem Eckchen in einem Kindergarten rechnen, in Belgien kommen 92 Prozent der Kinder unter, im viel ärmeren Italien wenigstens 50 Prozent.