Gustav Freytag hat einmal angemerkt, in Preußen habe der militärische Dienst als ein Unglück gegolten, im übrigen Deutschland aber als Schande, Soldat zu sein, ist nirgends ehrenvoll, und selbst in Preußen gewann der bunte Rock relativ spät Prestige – und erst nach der Reichsgründung jene Überschätzung, die einen Hauptmann von Köpenick möglich machte. Wie es zwischen 1500 und 1800 in deutschen Armeen zuging, hat Georg Liebe in seinem Buch "Soldat und Waffenhandwerk" beschrieben (Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, 160 S., 178 Abb., 32,– DM). Dieses Buch erschien erstmals 1899, es liegt jetzt als Reprint vor.

Obwohl Liebe die üblen Mißstände in den Armeen und die daraus resultierende geringe Reputation keineswegs verschweigt, wird dem preußischen Heer und seinem inneren Dienst aber zuviel Ehre erwiesen und manches beschönigt, was nicht zu beschönigen ist. Dennoch gibt es heute keine Geschichte des deutschen Soldaten, die für diesen Zeitabschnitt soviel zeitgenössisches Quellenmaterial bietet. Der Leser sollte bei der Lektüre das Erscheinungsjahr nicht vergessen; das reiche Angebot an Text- und Bilddokumenten entschädigt für eine Tendenz, die oft genug Widerspruch herausfordert. E. K.