Die deutsche Bauwirtschaft hat ein glänzendes Jahr hinter sich. Diesen. Eindruck erwecken zumindest die Abschlüsse der Baugesellschaften, die jetzt vorliegen. Die Gewinne haben sich bei einigen Unternehmen mehr als verdoppelt. Denn die Bauwirtschaft war offensichtlich nicht nur Motor, sondern auch Nutznießer des Booms.

Die Repräsentanten der Branche, an ihrer Spitze Präsident Hermann Brunner vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, wissen natürlich schon seit Monaten, wie gut ihre Unternehmen 1971 abgeschnitten haben. Das konnte sie jedoch nicht daran hindern, noch zu Beginn dieses Jahres die konjunkturelle Lage der Bauwirtschaft grau in grau zu malen. Brunner tat sich damit besonders bei der Eröffnung der BAUMA hervor und kalkulierte dabei wohl das schlechte Gedächtnis seiner Zuhörer ein.

Wer jedoch seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren will, der sollte mit derart künstlichem Pessimismus etwas zurückhaltender sein. Die Verbände der Bauwirtschaft sind seit Jahren darauf eingestellt, auf jeden Fall erst einmal zu klagen und das Schlimmste zu prophezeien. Nachher stellt sich meist heraus, daß sie zu früh gejammert haben; Kein Wunder, daß selbst Branchenkollegen ihren Verbandschef Brunner in einem Atemzug mit dem früheren Bauernpräsidenten Rehwinkel nennen.