Von Hermann Bößenecker

Noch vor wenigen Monaten kannte seinen Namen in der deutschen Textilindustrie kaum jemand. Heute ist der Augsburger Bauunternehmer Hans Glöggler, 62, bei Spinnern, Webern und Konfektionären der meistgenannte Mann. Mit drei geschickten Schachzügen warf sich der Allgäuer in den letzten fünf Monaten zum größten Textilindustriellen der Bundesrepublik auf. Seine Firmengruppe wird in diesem Jahr einen Umsatz von rund 700 Millionen Mark erzielen.

Seinem Startobjekt in der fremden Branche, der Hanfwerke Füssen-Immenstadt AG, fügte der Augsburger im Februar dieses Jahres die Mech. Baumwoll-Spinnerei (SWA) hinzu, bei der er 92 Prozent des Kapitals von der Bayernhypo erwarb. Wenige Monate später, Anfang Juli, konnte er sich die Majorität der Erba AG für Textilindustrie in Erlangen sichern und vor. einigen Wochen die Val. Mehler AG in Fulda (Marke: Valmeline) übernehmen. Das atemberaubende Tempo, mit dem sich der neue Konzernherr in die zersplitterte Textilbranche einkaufte, läßt ihn jetzt befürchten, als Glücksritter oder eiskalter Spekulant eingeschätzt zu werden. Glöggler besorgt: "Die Leute glauben gar, der Glöggler kann weder lesen noch schreiben."

Auffallend wortkarg wird der sonst so gesprächige Glöggler, wenn man ihn danach fragt, wie er den Kauf von drei Aktienpaketen in diesem Jahr für immerhin rund 100 Millionen Mark möglich gemacht hat. "Wer sagt Ihnen denn sonst, wie er einen Kauf finanziert hat?" Beredt widerspricht er aber der Ansicht, daß er dabei vorwiegend auf Fremdmittel zurückgegriffen habe. "Das wissen Sie doch auch, daß die Banken für solche Zwecke nur Kredite geben, wenn man mindestens die Hälfte Eigenkapital beibringt."

Nun hatte Glöggler wahrscheinlich wesentlich mehr Eigenmittel auf der Hand, als man ihm zunächst zutraute; diese Auffassung hat sich zumindest bei den Vorständen der übernommenen Unternehmen durchgesetzt. Aber sein Trick war es zweifellos, seine Beteiligungskäufe zum Teil mit Hilfe eines Kumulationseffekts zu verkraften: Die schon 1969 gekauften Hanf werke stiegen für 13 Millionen Mark bei der SWA ein, und die Erba übernahm rund 40 Prozent bei Val. Mehler, während die in Zürich neu gegründete Glöggler Holding AG die Mehrheit hält. Bereits das Erba-Paket (60 Prozent) kaufte Glöggler über seine Zürcher Holding. Mehr als 50 Prozent stammen dabei aus dem Portefeuille der Schweizer Gruppe Wolf, zehn Prozent von der Thurn- und Taxisschen Generalkasse. Dem Gedanken, er sei aus steuerlichen Gründen über die Grenze gegangen, weist Glöggler weit von sich: "Ausschlaggebend war neben dem internationalen Platz die Möglichkeit, etwas billiger an Fremdkapital zu kommen."

Immerhin dürften die beiden Erba-Pakete den Textilmatador aus dem Baufach runde 60 Millionen gekostet haben, die von ihm erworbenen 90 Prozent des Mehler-Kapitals aber sicherlich weniger als die Hälfte dieses Betrages. Im Gegensatz zu vielen Beobachtern seiner aufsehenerregenden Transaktionen sieht Glöggler keine Schwierigkeiten, aus den Erträgen seiner Firmen die jetzt aufgenommenen Fremdmittel zu verzinsen und zu tilgen. In allen Betrieben will er viel investieren, um den starken Lohnsteigerungen entgegenzuwirken.

Besonders stolz ist Hans Glöggler auf die Erba ("erstklassige Kapitalausstattung"). Der Augsburger gibt heute zu, daß er das Unternehmen vor dem Kauf nicht ein einziges Mal gesehen hat. Seinen Kauf entschluß faßte er allein auf Grund umfangreicher Unterlagen der Familie Wolf. Glöggler: "Das Bilanzenlesen habe ich gelernt."