Von Dora Lent

Hört endlich auf, Heime zu bauen! Unter dieser herausfordernden Überschrift schrieb ich vor etwa zehn Jahren meinen ersten Beitrag zu dem damals noch unbeachteten Wohnproblem alternder Bürger. Mit den Heimen meinte ich die Altenwohnheime. Ich lebe nun das zwölfte Jahr in einem Altenwohnheim, ohne wieder hinauszugelangen. Ich kenne das Milieu also und habe dauernd an der Auseinandersetzung über Fragen des Lebens im Alter teilgenommen. Da sich aber inzwischen praktisch wenig verändert hat und man immer noch "Altensilos" baut, fühle ich mich bewogen, diese zusammenfassende Darstellung über Altenwohnheime zu schreiben.

Was sind denn die Gründe, die so viele Leute in ein solches Wohnheim treiben? Da ist zunächst: die finanzielle Schwäche der meisten Rentner, besonders der Rentnerinnen – weshalb auch die Wohnheime vor allem von alleinstehenden älteren Frauen bevölkert werden. Da ist der Mangel an sozial tragbaren Kleinwohnungen in gestreuter Lage. Dann eine eifrige amtliche Propaganda für die Wohnheime. Und schließlich sind da verschiedene psychologische Fehlurteile, über alte Menschen, wie etwa folgende:

alte Menschen fühlten sich in Gesellschaft Gleichaltriger als unter vermeintlichen "Gesinnungsgenossen" wohl;

alte Menschen müßten ihre Kräfte schonen und unter amtlicher Obhut und Betreuung leben;

alte Menschen zeigten einen Trend zu den Heimen.

Während nun die psychologischen Fehlurteile schon im Abbau sind, bestehen die finanzielle Schwäche und die Wohnungsnot weiter. Es müßte zumindest erreicht werden, daß auch die Sozialrentner eine ausreichende finanzielle Basis erhalten, von der sie Wohnung, Nahrung, Kleidung und kulturellen Anteil bestreiten können, unter Wegfall aller zweckbedingten, zu beantragenden Beihilfen und Zusatzrenten. Das wäre die erste Voraussetzung zu einer Besserung der Wohnsituation.