Durch eine Indiskretion ist die Version des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Schiller von den Ereignissen, die zu seinem Rücktritt führten, bekanntgeworden. Die ZEIT bat Bundesbankpräsident Dr. Karl Klasen um Stellungnahme zu den Behauptungen:

  • Er habe Schiller einen mit Minister Ehmke vereinbarten Plan, in der Kabinettsitzung vom 28. Juni die Anwendung des § 23 vorzuschlagen, verheimlicht, obwohl er am 26. Juni acht Stunden in Luxemburg neben ihm gesessen habe.
  • Er habe "Währungsruhe bis zu den Wahlen" versprochen.
  • Er habe mit seinem Rücktritt gedroht, falls ihm das Kabinett nicht folge.

Die Rolle der Bundesbank

Von Karl Klasen

Minister Schiller hat in seinem Rücktrittsbrief vom 2. Juli 1972 an den Herrn Bundeskanzler über die Rolle der Deutschen Bundesbank und über meine persönliche Haltung eine Darstellung gewählt, die der Richtigstellung bedarf.

Minister Schiller wirft mir zunächst vor, daß ich am 26. Juni 1972 statt mit ihm mit Minister Ehmke telephoniert habe. Hierzu kam es wie folgt: Am Nachmittag und Abend des 24. Juni fand in Paris unter den EWG-Notenbankgouverneuren eine Besprechung statt, die die Ministerratstagung in Luxemburg am 26. Juni vorbereiten sollte. Es war vereinbart worden, daß die Notenbankgouverneure sich vor Beginn der Ministerratssitzung noch einmal treffen sollten. Um mich zuvor über den Stand der Überlegungen der Bundesregierung zu den in der Ministerratssitzung anstehenden Fragen zu informieren, rief ich am Vormittag des 26. Juni Minister Schiller an, erfuhr aber von seiner Sekretärin, daß er bereits auf dem Wege nach Luxemburg sei. Ich versuchte dann Staatssekretär Schöllhorn zu sprechen und hörte, daß er im Urlaub war. Auch der Herr Bundeskanzler, den ich daraufhin anrief, war nicht anwesend; er befand sich auf dem Wege zu dem Treffen der Nobelpreisträger in Lindau.