Neu In Museen und Galerien:

Duisburg Bis zum 10. September, Wilhelm-Lehmbruck-Museum: "Mark di Suvero"

Während die Nationalgalerie in Washington derzeit, bis Mitte August, eine große Lehmbruck-Retrospektive (die erste in Amerika) veranstaltet, hat sich das Wilhelm-Lehmbruck-Museum einen der amerikanischen Stahlplastiker nach Duisburg geholt, um die zeitliche und die künstlerische Distanz zu Lehmbruck, zu seinem figurativen Expressionismus zu demonstrieren. Mark di Suvero hat seine riesigen, bis zu 12 und 13 Meter langen Stahlträgergerüste, die mit spitzen Winkeln in den Raum vorstoßen, auf der Wiese um das Museum herum aufrichten lassen. Und wenn Kinder an ihnen herumturnen und das Winkeleisen als Rutsche benutzen, dann entspricht das durchaus den Intentionen des Künstlers, weil die Arbeiten damit angeblich eine "menschliche Dimension" gewinnen. Von diesem Nutzeffekt abgesehen, markieren sie den äußersten Grad von formaler Askese, die sich mit einem für die angloamerikanische Stahlplastik der sechziger Jahre bezeichnenden Materialfetischismus verbindet, wie David Smith und Anthony Caro ihn praktiziert haben. Heute ist solch radikaler Gestaltungsverzicht nur noch historisch oder psychologisch interessant, als Protest gegen europäische Expressivität und Ausdruckszwänge. Außer ihrer kräftigen physischen Präsenz haben diese Stahlkonstruktionen nichts anzubieten, durch ihre formale Abstinenz und geistige Klarheit unterscheiden sie sich grundsätzlich von allem, was Tinguely oder Luginbühl oder gar Calder je zustandegebracht haben, und es wirkt eher komisch, wenn sie nachträglich durch hochgegriffene Titel in "Signale des Menschlichen" umgedeutet werden. Es spricht für di Suveros politische Haltung, daß er bereits 1966 aus Protest gegen die amerikanische Vietnampolitik einen 20 Meter hohen "Tower for peace" konstruiert hat. Eine der in Duisburg ausgestellten Arbeiten von 1971/72 heißt Hommage to the Vietcong", aber sie könnte ebenso gut oder schlecht als Huldigung für Nixon verstanden werden. Mit abstrakter Metallplastik läßt sich politisches Engagement nicht visualisieren.

Köln Bis zum 20. August, Galerie Klang: "Curt Stenvert"

Zwanzig Objekte, Schaukästen, Vitrinen aus den Jahren 1962 bis 1972, eine Auswahl aus einem inzwischen auf rund 500 Objekte angewachsenen Œuvre. Stenvert hat diese Kästen und Schreine lange vor und unabhängig von der gegenwärtigen Schrank- und Kastenkonjunktur hergestellt. Er will, wie er in seinem Manifest über die funktionelle Kunst des 21. Jahrhunderts erklärt, "dem Menschen die biologischen, psychologischen, soziologischen und philosophischen Voraussetzungen seiner Existenz bewußt werden lassen". Existenzerhellung über das Auge, damit liefert Stenvert eine Formel nicht nur für seine sogenannt funktionelle, sondern für Kunst schlechthin.. Er speziell fühlt sich in der Rolle des Predigers, Moralisten, Gesellschaftskritikers, der Apparate zur "Entmassung des Menschen" und "Für den Sieg der Freiheit über den Totalitarismus" konstruiert. Er arbeitet mit Puppen, Zinnsoldaten, Kinderschädeln ("Wer Zinnsoldaten in Kinderschädel sät, muß blutige Kriege ernten"), die er zu makabren Stilleben und Memento-Mori-Situationen arrangiert. Er meditiert mit den Trivialobjekten, die er sich bei Wiener Trödlern zusammensucht, über Gott und die Welt, er bastelt Sentenzen, die um eine Spur zu eindeutig und einsichtig sind, als daß sie die Phantasie des Betrachters noch beschäftigen könnten. Eine ästhetische Transfiguration findet nicht statt.

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen: