Knapp drei Jahre nach der letzten

Gebührenerhöhung von sieben auf 8,50 Mark befürchten die Intendanten der deutschen Rundfunk- und Fernsehanstalt ein neuerliches Finanzleck. 1975 – so ergab eine mittelfristige Finanzplanung der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten (ARD) – muß mit einem Defizit von knapp 320 Millionen Mark gerechnet werden, wenn die Gebühren nicht heraufgesetzt werden. Auch den Kollegen vom ZDF geht es nicht besser. Der Mainzer Sprecher Fritz Hufen: "1974 kommen wir in die Bredouille." Rund zehn Millionen Mark wird dann der Fehlbetrag sein.

Der Ausweg aus diesem Dilemma – eine neue Gebührenerhöhung – muß allerdings von Politikern geöffnet Werden. Nach den Rundfunkgesetzen der Länder (ARD-Anstalten) und dem Staatsvertrag (ZDF) sind dafür die Ministerpräsidenten der Bundesländer zuständig. Baden-Württembergs Ministerpräsident, Hans Karl Filbinger, winkte bereits ab: "Auch im nächsten Jahr wird es keine Erhöhung der Rundfunkgebühren geben."

So schöpfen die Funkherren zunächst dort ab, wo noch etwas zu holen ist: Sie erhöhten die Einschaltpreise für das Werbefernsehen. Das Mainzer ZDF machte den Anfang. Ab 1973 sollen Unternehmen mehr für TV-Spots zahlen. Zugleich räumten die Mainzel-Männer mit dem bisher gültigen Einheitspreis auf. Für die werbestarken Monate März, April, Oktober und November sollen die 30-Sekunden-Spots 32 400 statt 24 600 Mark kosten. In den "schwachen" Sommermonaten werden die Einschaltpreise dafür auf 24 000 Mark reduziert.

Einige ARD-Anstalten schlossen sich den Mainzern an – allerdings ohne die saisonale Staffelung. So erhöhten der Saarländische Rundfunk und der Hessische Rundfunk ihre Spot-Preise um durchschnittliche zehn Prozent.

Einen Vorschlag allerdings, den die werbende Wirtschaft den Funkgewaltigen schon des öfteren nahegelegt hatte, gefällt in den Funkhäusern weniger. Vor einer erneuten Erhöhung der Rundfunkgebühren, so empfahl der Arbeitskreis Werbefernsehen der deutschen Wirtschaft, "sollten die Sendeanstalten zuerst alle anderen Möglichkeiten der Finanzierung nutzen".

Welche Möglichkeiten das sein könnten wissen die Markenartikler genau: Mehr Werbefernsehzeit. "Zehn Minuten mehr Werbezeit täglich", so der Sprecher des Markenverbandes, Ludwig Schröder, würde den Anstalten über 300 Millionen Mark im Jahr mehr bringen." Der Wunsch der Werber ist allerdings nicht zu eigennützig. Sie sind mit den seit 1961 eingefrorenen Werbezeiten von 20 Minuten täglich unzufrieden. Schröder: "Die Nachfrage nach Werbezeit im Fernsehen ist um über 300 Prozent höher als das reglementierte Angebot."

Angesichts der ungeliebten politischen Entscheidung, neue Gebührenerhöhungen anzuordnen, scheint auch bei den Politikern "die Einsicht" (Schröder) zu wachsen. So räumte im Frühjahr Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Schütz ein, daß es "wahrscheinlich mehr Werbung im Fernsehen geben" wird. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund mag neuerlichen Gebührenerhöhungen nicht zustimmen. Eher sei man bereit, "Verständnis für eine Erweiterung der Werbezeiten aufzubringen. gf