Japan, Spitzenreiter in der Tabelle der Schiffbaunationen, mußte zum erstenmal Einbußen hinnehmen: Nach den jetzt vorliegenden Zahlen aus dem Lloyds Register of Shipping und der britischen Schiffahrtszeitung The Motor Ship haben Japans Werften im zweiten Quartal dieses Jahres weniger Schiffe als im gleichen Zeitraum des Vorjahres gebaut: Insgesamt lieferten sie zwei Millionen Tonnen Tragfähigkeit – also vier Supertanker mit 300 000 tdw – weniger ab.

Die rückläufige Entwicklung ist freilich nicht auf Japan allein beschränkt. Der Weltschiffbau zeigt allgemein eine rückläufige Tendenz. Am 1. Juli waren nur noch 2413 Schiffe mit 141,44 Millionen tdw im Bau gegenüber 2550 Einheiten mit 142,7 Millionen tdw im letzten Jahr. Von den traditionellen Schiffbauländern kann nur Schweden (mit einem Plus von 17,5 Prozent) Zuwachsraten melden. Bei den deutschen Werften sank der Schiffbaubestand (Aufträge und im Bau befindliche Schiffe) von 8,95 auf 6,7 Millionen tdw.

Für die Japaner ist der Auftragsrückgang besonders schmerzlich: Die Weltwährungskrise mit der folgenden Yen-Aufwertung kostete die Werften rund 700 Millionen Dollar – 1970 betrug der Gewinn aus dem Schiffbau etwa 350 Millionen Dollar.

Zudem droht Japan in Zukunft eine benachbarte Konkurrenz. Die Hyundai-Werft in Südkorea will ein Dock für Riesentanker mit 700 000 tdw bauen. Die Vorteile der Koreaner nennt Werftchef Chung Ju Young: "Wir bauen günstiger als Japan und jeder andere Konkurrent im Bau von sehr großen Schiffen." bke