Ein Familienstreit droht bei der Dornier AG, Friedrichshafen/München, eine ernste Führungskrise auszulösen. Aus Protest gegen ihren Bruder Claudius Dornier, 57, Vorsitzender des Vorstandes der Dornier AG, sind seine Brüder Justus, 36, und Christoph, 34, aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Mit ihnen verließen dieses Gremium wegen "Meinungsverschiedenheiten über die zukünftige Geschäftspolitik mit der Mehrheit der Familie Dornier" der Vorsitzende, Springer-Generalbevollmächtigter Eberhard von Brauchitsch, sein Stellvertreter Minister Dr. Adalbert Seifritz und Rechtsanwalt Max Kreifels. Justus und Christoph Dornier möchten am liebsten auch finanziell aus der Familienholding ausscheiden.

In Friedrichshafen spricht man von einer "Selbstzerfleischung" der Familie Dornier. Im Aufsichtsrat sitzt von den Dornier-Brüdern, Söhne des 1969 verstorbenen Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier, nur noch der 45jährige Silvius. Als neue Mitglieder wurden der 74jährige ehemalige Münchner Staatsbankpräsident Alfred Jamin – der den Vorsitz übernehmen soll – und der frühere bayerische Minister Otto Schedl berufen.

Claudius selbst schweigt über die Vorgänge: "Wir haben uns abgesprochen, daß wir nichts sagen." Harte Worte an der Geschäftspolitik des letzten "Alleinfliegers" der deutschen Luftfahrtindustrie findet dagegen der Betriebsratsvorsitzende Oscar Pauli, der bereits an einem Sozialplan für Dornier-Belegschaftsangehörige arbeitet; die Belegschaft der Werke Friedrichshafen und München (4100) muß um 10 bis 15 Prozent reduziert werden.

Pauli wirft der Familie vor, daß sie die Zeichen der Zeit nicht erkenne. Auch Brauchitsch hatte sich für eine Straffung des Konzerns – durch Fusion der Tochter Dornier System GmbH mit der AG – mit dem Ziel einer breiteren Basis der Unternehmensgruppe ausgesprochen. Auf diese Weise hätte man auch den Einfluß der Familienangehörigen auf das Unternehmen eindämmen können. Zudem sind die ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder im Gegensatz zu Claudius wohl der Meinung, daß Dornier nicht länger allen Konzentrationsgesprächen in der Luftfahrtindustrie ausweichen kann. Es ist der erklärte Wunsch des Hauptauftraggebers in Bonn, daß Dornier den Zwang zur Konzentration erkennt. Auch in München wird man Dornier, sollte er dort um Hilfe nachsuchen, vermutlich die kalte Schulter zeigen. bo