Die Sommerpause in den deutsch-deutschen Verhandlungen ist vorüber. Die Staatssekretäre Bahr und Kohl sind wieder im Gespräch. Es muß sich nun zeigen, ob nach der Phase der Vorerörterungen über einen Grundvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten das eigentliche Verhandlungsstadium beginnen kann.

In letzter Zeit war viel von einer "Verhärtung" der Ostberliner Haltung die Rede. Handfeste Belege dafür fehlen bisher. Abgrenzung ist drüben auch früher gepredigt worden. Kohls Anfangsposition, im Juni in einem ersten Dokument formuliert, ist anscheinend hart, aber das war noch in allen ostpolitischen Verhandlungen so – Ausgangspunkt und Endstation sind nie identisch gewesen. Das Techtelmechtel der DDR mit Helsinki ist eher auf die finnische Innenpolitik zurückzuführen als auf ostdeutsche Widerborstigkeit. Im Augenblick wäre es ebenso verfrüht, von einem Festfahren der Bahr-Kohl-Gespräche zu reden, wie es verfehlt wäre, schon einen Silberstreif zu sehen.

Wenn die Bundesregierung klug ist, wird sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Sie muß sachlich verhandeln, ohne nach dem Wahltermin zu schielen. Wenn sie mit ihrem Sachprogramm durchkommt, kann sie abschließen; wenn nicht, muß sie abwarten bis nach dem 3. Dezember.

Th. S.