Thomas Eagleton, Senator aus Missouri und Kandidat der Demokraten für das Amt des Vizepräsidenten, hat auf seine Bewerbung verzichtet. Die Entscheidung über seinen Rücktritt fiel am Montagabend nach einer mehrstündigen Aussprache mit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten George McGovern. Anlaß zu diesem Schritt war die – von Eagleton anfangs verschwiegene – Tatsache, daß er sich zwischen 1961 und 1966 dreimal einer psychiatrischen Behandlung hatte unterziehen müssen.

Die daraufhin ausgebrochene lebhafte Diskussion über die Eignung des Senators hatte der Washingtoner Journalist Jack Anderson mit der – allerdings immer noch unbewiesenen – "Enthüllung" angeheizt, Eagleton sei in den sechziger Jahren mehrfach wegen Alkohol am Steuer und rücksichtslosen Fahrens belangt worden. Der Senator hatte diese Beschuldigungen als "verdammenswerte Lügen" zurückgewiesen.

McGovern erklärte vor der Presse, er setze volles Vertrauen in diesen "fähigen Mann". Er habe den Verzicht aber angenommen, weil die Kontroverse um dessen Krankheitsgeschichte von den Sachaussagen der Demokraten abzulenken drohe. Einen neuen "running mate" benannte er noch nicht, ließ aber seine Enttäuschung über Eagletons mangelnde Offenheit in der Bemerkung anklingen, man müsse bei der Wahl des neuen Kandidaten "sehr vorsichtig und sorgsam" vorgehen.