Das Wahlergebnis war "überwältigend eindeutig", die Wahl selbst eine Formalität. Mit 616 gegen 29 Stimmen bei 24 Enthaltungen wurde Portugals Staatspräsident, der 78jährige Admiral Americo Thomaz, für weitere sieben Jahre in seinem Amt bestätigt, das er seit 1958 innehat. Der Wahlausschuß – Mitglieder der Nationalversammlung und der Korporativen Kammer, ferner Vertreter der "Überseeprovinzen" und Städte – hatte Mitte vergangener Woche nur die Entscheidung zwischen Ja und Ablehnung; einen Gegenkandidaten gab es nicht. Die enttäuschte (Untergrund-)Opposition kommentierte den Ausgang mit Bombenanschlägen.

Um die Wiederwahl Thomaz’ hatte es hinter den Kulissen Auseinandersetzungen gegeben. Eine kleine Gruppe Progressiver bemühte sich drei Wochen lang, Ministerpräsident Caetano zur Kandidatur zu bewegen. Als Staatschef hätte er dann einen jüngeren Technokraten zum Ministerpräsidenten berufen sollen, um wenigstens noch einen Teil der 1969 versprochenen Reformen durchzusetzen. Die Spekulation ging nicht auf.

Traditionell wird der Posten des Staatschefs mit einem Offizier besetzt. In Lissabon wurden schon die Namen mehrerer Aspiranten auf dieses Amt oder – im anderen Falle – auf die Regierungsführung kolportiert: die Generäle in den Kolonialgebieten Spinola (Guinea), Costa Games (Angola) und Kaulza de Arriaga (Mocambique), ferner Verteidigungsminister Via na Rebelo. Sie alle gehören – mit gewissen Einschränkungen bei General Spinola – zu den rechten Ultras.

Ein Regierungschef Caetano wäre nie sicher gewesen, daß sich einer dieser Offiziere an das ungeschriebene Gesetz aus der Salazar-Zeit hält: Der Staatschef verachtet auf sein Recht, den Ministerpräsidenten zu entlassen. Ein Staatspräsident Caetano hätte mit einem dieser Männer an der Spitze des Kabinetts keine Hoffnung auf Reform mehr gehabt.

Thomaz nicht wieder zu wählen hätte zudem einen Affront für die Salazaristen bedeutet, deren Vertrauen der Admiral uneingeschränkt genießt. So blieb alles beim alten – und die Chance einer wenn auch bescheidenen Neuorientierung wurde versäumt,