Für die Gerätehersteller ist das Olympia-Geschäft gelaufen

Zu den Olympischen Spielen kommt nur die Elite. Philips ist dabei, so lobte sich jüngst der multinationale Elektrokonzern in einer ganzseitigen Anzeige. Rundfunkreporter aus 115 Ländern nämlich werden an ihrem Arbeitsplatz auf dem Münchner Olympiagelände ein Philips-Schwarz-Weiß-Fernsehgerät (Marke: Philetta Luxus) vorfinden. Und das Deutsche Olympia Zentrum RadioTelevision wurde von der in Hamburg ansässigen Deutschen Philips mit 480 Colorgeräten ausgestattet.

Doch der hanseatische Gerätehersteller möchte noch ein bißchen mehr dabei sein: im großen Geschäft mit Farbfernsehgeräten. Seit einigen Wochen, so registrierte die Fernsehbranche, läuft das Geschäft mit der Farbe gut. Im Zeichen der Olympischen Spiele von München wollen auch die deutschen Sportsfreunde dabei sein – im bequemen Sessel vor der heimischen Mattscheibe. Frisch versorgt mit Urlaubsgeld und dem rückgezahlten Konjunkturzuschlag soll es bei vielen auch ein Olympia der Farben werden.

Und so vermerken Händler und Hersteller "seit fünf bis sechs Wochen ein sehr gutes; hervorragendes Geschäft", so Reiner Schmitz, Zentraleinkäufer im Bereich Rundfunk und Fernsehen der Kaufhof AG. Seit Mitte Juli gibt sich auch der Warenhauskonzern Karstadt mit dem Colorgeschäft zufrieden, nachdem es "Ende Juni, Anfang Juli noch nicht so lief" (Karstadt-Sprecher Heiko Philipp).

"Die kritische Phase der Markteinführung bei den Farbfernsehgeräten", erläuterte Bernhard Husmann, Vorstand der Hannoveraner Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH, "ist seit Ende vorigen Jahres mit einer Marktsättigung von rund zehn Prozent überwunden." Ende 1971 standen in den 23 Millionen deutschen Haushalten rund 2,2 Millionen Farbkästen. In diesem Jahr möchte die Industrie weit über eine Million neue Colorgeräte absetzen.

Doch obwohl das olympische Geschäft die sonst übliche Sommerflaute gar nicht erst aufkommen ließ, ist die Freude der Hersteller nicht vollkommen. Mit einer neuen Technik, einer riesigen Produktionsstätte, einer beachtlichen Preissenkung und einem außergewöhnlichen Werbeaufwand hatte ein Produzent der Branche im Frühjahr den Kampf angesagt. Die Fürther Grundig AG zwang mit ihrem "Super Color" mit der servicefreundlichen Modultechnik die Konkurrenz, ihren Angriff zu kontern.

Der Appell an das technische Bewußtsein der deutschen Verbraucher hat sich für den Fürther Gerätebauer gelohnt. "Die Nachfrage nach unseren Geräten", so Grundigs Vorstandsvorsitzender Hans-Heinz Griesmeier, "ist so groß, daß wir keinen Olympia-Effekt verspüren." Der Marktanteil der Bayern, der letztes Jahr noch bei bescheidenen acht Prozent im Colorgeschäft lag, kletterte auf rund zwanzig Prozent.