Wenn in einem schlampigen Laden Typen sitzen, die zusammen vielleicht dreißig Jahre Gefängnis hinter sich haben, und der Wirt signalisiert ein paar Zigeuner, läßt man sie hereinkommen. Mit anderen Leuten hätte man sich dann angelegt, dafür gibt es immer Gründe, aber die Zigeuner läßt man ihr Bier trinken. Und sind es zehn von diesen Typen, die da sitzen, und fünf Zigeuner, läßt man die Zigeuner ruhig sitzen. Solche Typen wissen eben, daß Zigeuner für sie zu schnell sind, wenn man sie angreift, daß sie zum Rasiermesser greifen, bevor die anderen ihre Schießeisen herausgeholt haben. Ja, Zigeuner bevorzugen Rasiermesser; sie sind gegen spitze Messer und gegen Messerstechereien. Aber mit Rasiermessern fahren sie ihren Gegnern in die Gesichter; Schnittwunden, meinen sie, kann man nähen. Wenn Zigeuner schießen, glauben sie keinen anderen Ausweg mehr zu finden. Meistens geschieht es aus Rache.

Zigeuner sehen sich im Fernsehen jeden Wildwest-Film an, und sie tragen mit Vorliebe große Hüte. Mit Rockern kriegen sie oft Streit, manchmal auch mit unzuverlässigen Gebrauchtwagenhändlern und mit Typen in schlampigen Lokalen, die sie nicht in Ruhe lassen.

Zwanzig habe ich nacheinander befragt, was sie im Dezember wählen werden. Sie haben es alle zu Sportwagen, lupenreinen Brillanten, Absteigequartieren oder Puffs gebracht. Was die gesagt haben, faßte zum Schluß jemand zusammen: "Und die Straßen müssen endlich mal freigefegt werden, weg mit den Eierdieben, den Schlägerkolonnen und den Bombenlegern ... Ob die Bullen dann nicht mehr Zeit für uns hätten? Nein, wenn die so genervt sind wie in letzter Zeit, kommt es zu Übergriffen. Mit anderen Worten: Man will in Ruhe unterwegs sein ... Wir stehen da, wo die Mark stabil ist. SPD kann unsereins nicht wählen. Man ist schließlich auch Geschäftsmann."

*

Sind Beerdigungen von Kriminellen eigentlich immer sehr aufwendig? "Bis 1933 sorgten in Berlin die ‚Ringvereine‘ für den Sarg, den Pastor, die Blumen und die Kosten für das gemütliche Beisammensein. Aber auch in anderen Großstädten, wo es keine Ganoven-Klubs gab, wurde nicht gespart."

Ging das denn immer so weiter?

"Von zwangsläufigen Unterbrechungen abgesehen, bis auf den heutigen Tag. Beerdigungen sind ein Anlaß, alte Bekannte am Grab zu treffen, die dann zum Beispiel sogar von Frankfurt nach Berlin fliegen. Die ‚Ringvereine‘ gibt es nicht mehr, deshalb müssen oft die alten Bekannten für den Sarg, den Pastor, die Blumen und die Kosten für das gemütliche Beisammensein sorgen;