Der Mann, mit dem zusammen George McGovern die Wahl gewinnen wollte, ist vorzeitig ausgeschieden. Thomas Eagleton, Kandidat der Demokraten für die Vizepräsidentschaft, hat unter dem Druck der Öffentlichkeit seine Ambitionen auf das zweithöchste Amt Amerikas begraben müssen.

Der Rücktritt von der Kandidatur ist in der amerikanischen Geschichte einmalig. Er war nicht mehr abzuwenden, nachdem Eagletons Krankheitsgeschichte bekannt geworden war: mehrmalige Behandlung wegen psychischer Depressionen einschließlich Elektroschocks. Vor allem stürzte sein Zögern, die früheren Krankheiten zuzugeben, auch die tolerantesten Amerikaner in Zweifel an seiner Amtseignung. Sie wissen seit Harry Truman, spätestens aber seit Lyndon Johnson, daß der Stellvertreter nur einen Herzschlag von der Präsidentschaft entfernt ist.

Für Thomas Eagleton ist der Verzicht schmerzlich; für McGovern könnte er sich verheerend auswirken. Der Spitzenmann der Demokraten hat in der Affäre keine gute Figur gemacht. Erst sein Schwanken vor der Entscheidung, dann die schönfärberischen Solidaritätsbekundungen für den Teamgefährten, den er kurz danach fallenließ, haben seine Führungskraft ins Zwielicht gerückt. Schon heute sieht es fast so aus, als brauche Richard Nixon nur noch mitleidsvoll ein Kreuz über seinen Gegner zu schlagen, wenn McGovern am Wahlabend politisch ausgezählt wird.

schw.