Mit verordnetem "Jubel" reagierte Libyen, mit "Freude" Ägypten auf die geplante Fusion des 34-Millionen-Volkes im Niltal mit dem knapp Zwei-Millionen-Staat in der Wüste. Doch in beiden Ländern hinterließ die "Verehelichung des "Elefanten mit dem Floh" (Economist) einen schalen Nachgeschmack.

Fünf Monate Bedenkzeit hatte sich Ägyptens Staatspräsident von dem drängenden Gaddafi erbeten. Er mißtraute dem panarabischen Idealismus seines Partners; schließlich hatte der ehrgeizige Oberst erst vor einem halben Jahr verkündet, er könne sich gut vorstellen, daß sein Land in Arabien die Rolle übernehme, die einst Preußen bei der Einigung Deutschlands gespielt hatte. Der Bismarck der Wüste soll demnach Gaddafi heißen. Nun ist Sadat nach dem Abzug der Russen vom Nil mehr denn je auf die libyschen Ölmillionen angewiesen (und auf die französischen Mirage, die nur Tripolis beschaffen kann). Aber so einfach möchte sich der Nachfolger des "Rais" gewiß nicht an die Wand drängen lassen.

Einen Trost hat er immerhin: Bisher hatte noch keine arabische Union Bestand gehabt, obwohl fünf Anläufe genommen wurden. Außerdem sehen in Libyen viele nicht ein, warum die unbeliebten Ägypter das ganze schöne Geld bekommen sollen, das dringend für die Entwicklung des eigenen rückständigen Landes gebraucht wird. Doch bis zur kompletten Fusion soll ohnehin noch ein Jahr vergehen. Bis dahin wird Sadat vermutlich ein Schlupfloch finden – und Gaddafi vermutlich einsehen, daß man mit Öl zwar die Politik anheizen, nicht aber den Titel eines Bismarck von Arabien kaufen kann. Vy.