Dem braven Bürger und Besitzer von Dollar oder anderen Devisen ist die Herkunft seiner Mittel. kaum nachzuweisen. Zudem bleibt es Schweizern nach wie vor gestattet, fremde Währungen aus dem Ausland in die Heimat zu transferieren und so in die begehrten Franken umzutauschen. Damit ist es für Ausländer eine lohnende Sache, einen bereitwilligen Schweizer zu seinen Freunden zu zählen.

Daß auch die Immobilienhändler in der Schweiz nicht bereit sind, auf ihre ausländischen Kunden zu verzichten, zeigt schon ein Blick in deutsche Tageszeitungen. Nach wie vor bieten sie Grundstücke und Eigentumswohnungen zu nicht ganz niedrigen Preisen an – fast so, als wäre nichts geschehen. Wenn die Sonnen- und Bergkantone auch Untergangsstimmung zur Schau tragen, so haben sie ihre Immobilienkundschaft nördlich von Rhein und Bodensee noch keineswegs verloren.

Oftmals behilft man sich mit Vorverträgen. Das erlaubt zum Beispiel den Baubeginn bei Eigentumswohnungen, die in ausländische Hände gehen sollen. Der endgültige Kaufvertrag wird erst bei Bauende unterschrieben – sofern die Restriktionen bis dahin gelockert werden. Notfalls kann aber auch hier ein Schweizer Strohmann einspringen, der die Verträge unterzeichnet und mit dem ausländischen Kunden private Abmachungen trifft.

Solche Geschäfte am Rande oder jenseits der Legalität haben jedoch offensichtlich ihre Grenzen. Manchem Ausländer sind die Schleichwege nach Helvetien letzten Endes doch zu riskant oder zumindest zu mühsam. Die Walliser und Bündner Bauunternehmer stöhnen nicht ganz ohne Grund. Die ersten Resultate der ausländischen Zurückhaltung sind bereits sichtbar: In modernen Wohnsilos finden Appartements neuerdings nur noch schleppend Abnehmer, gelegentlich wird die Arbeit an Großbaustellen einfach eingestellt. Allerdings scheint hier der generelle Baustopp am Ausbleiben der Auslandsinteressenten mit schuld zu sein.

Auch die Börsianer, um Tricks nie verlegen, tragen ihren Teil zum Devisenstrom bei. Sie machten aus der Not eine Tugend und erklärten Paris zum Exil für Schweizer Wertpapiere. Niemand kann nämlich einem Eidgenossen verbieten, einem Ausländer Aktien schweizerischer Unternehmen zu verkaufen. So sind zum Beispiel Nestlé-, Alusuisse- und Ciba-Aktien in- und außerhalb der Pariser Börse gesuchte Papiere, für die Ausländer bereitwillig einen beachtlichen Aufschlag berappen.

Wer solche Wertpapiere verkauft (sei er Schweizer oder nicht), der kann jederzeit neue Schweizer Effekten erstehen – und sie erneut mit Gewinn veräußern. Auch wenn die Banken in Zürich, Basel und Genf ihre Dienste für solche Geschäfte nicht anbieten, blüht der Handel. Denn auf diesem Wege kann jedermann seine flüssigen Mittel in Frankenwerten anlegen, auch wenn diese Variation der Flucht in den Franken zu einem teuren Spaß werden kann.

Selbst wenn der Weg nach Zürich versperrt ist, ist es also kein Kunststück, via Paris (und offensichtlich auch schon via Frankfurt) Schweizer Wertpapiere zu erstehen. Das Aufgeld, das in die eidgenössischen Taschen fließt, macht genügend Schweizer Bürger verkaufsbereit. Den Schaden hat vor allem die Zürcher Börse zu tragen. Zwar sinken nicht die Kurse, wohl aber die Umsätze. Deutsche Banken wollen allerdings ihre Hand nicht zu Geschäften leihen, denen der Rudi des Illegalen anhaftet. Solche Abstinenz fällt ihnen um so leichter, als für Deutsche eine Spekulation in Franken wenig attraktiv ist.