Die Verordnungen aus Bern haben zudem einen völlig legalen Weg offengelassen, auf dem sich Ausländer die begehrten Fränkli besorgen können: Sie brauchen nur ein Postscheckkonto in der Schweiz zu eröffnen. Noch ist man sich in der Schweiz nicht einig, in welchem Umfang von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird.

Wer bereit ist, acht Prozent Strafzinsen im Jahr zu zahlen, der wird ohnehin unbehelligt mit seinen Devisen über die Grenze gelassen. Denn vor der totalen Sperrung schreckte die Regierung in Bern letztlich doch zurück. Kurioserweise scheint mit den Strafzinsen auch die Attraktivität des Franken gewachsen zu sein. War das Verzinsungsverbot für Auslandsguthaben schon seit Jahren eine Selbstverständlichkeit, so reichen jetzt nicht einmal acht Prozent Belastung aus, um die Frankenverehrer aus aller Welt fernzuhalten.

Über das Fehlen der Auslandskunden beklagen sich die Banken kaum, wohl aber über den Kontrollaufwand, der aus heiterem Himmel auf sie zukam. Zunächst hatte es Ärger gegeben, als die Verordnungen für verbindlich erklärt wurden, die Kreditinstitute jedoch nicht einmal ihren Inhalt kannten. Und noch heute sehen selbst erfahrene Bankiers im Dickicht der Paragraphen nicht klar. Resignierend erklärte Guido Hanselm’ann, Generaldirektor der Schweizerischen Bankgesellschaft: "Die sechs Verordnungen können ... leider nicht als Muster an Klarheit in unsere Gesetzessammlung eingehen."

Auch die kleinen Bankangestellten stöhnen; denn sie sind oft die Leidtragenden des Devisendurcheinanders. Überstunden sind an der Tagesordnung, Ferien werden kurzfristig gestrichen. Die Programme für die Datenverarbeitung sind noch nicht auf die neuen Vorschriften umgestellt, so daß die Verrechnung im internationalen Kapitalverkehr wie zu Großvaters Zeiten mit Hand vorgenommen werden müssen. So wundert sich in der Schweiz kaum mehr jemand darüber, daß sogar der Pressechef der Schweizerischen Nationalbank Buchhaltungsarbeiten verrichtet, um seine Kollegen bei der Kontrolle zu entlasten.

Bei unseren Nachbarn hört man immer mehr die Meinung, der Schweizer Riegel halte nicht und schade nur dem Image des Landes. Schließlich gab es seit dem Kriege keine derartigen Restriktionen mehr – und das in einem Land, das stets als Garant für freien Kapitalverkehr und als Hort des Liberalismus galt.

Gelegentlich heißt es auch, die Hunde in Bern wollten nur bellen, aber nicht beißen. Nationalbankpräsident Edwin Stopper versicherte, die Vorschriften gingen ihm selber gegen den Strich und würden keinen Tag länger als nötig bestehen bleiben. Nun hoffen nicht nur die Bankiers von der Zürcher Bahnhofstraße, daß Stopper zu seinem Wort steht – und zwar vor Ablauf der zwei Jahre, nach denen die Reglementierungen ohnehin ein Ende haben sollen.

Paul Klügl/ Klaus-Peter Schmid