Das Aktienkarussell dreht sich weiter. In den letzten Tagen waren die Bankaktien an der Reihe. Für ihren Kursanstieg gab es mehrere Auslöser. Im Vordergrund standen einige Zwischenberichte, die zeigen, daß das erste Halbjahr 1972 im Bankbereich besser verlaufen ist, als im Frühjahr von den Vorständen vorausgesagt wurde. Die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank nennt dafür die Gründe: Der Rückgang der Zinsmarge ist zum Stillstand gekommen. Sie dürfte sich wegen der zu erwartenden höheren Kreditnachfrage noch verbessern. Die Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen dürften deutlich höher liegen, der Provisionsüberschuß sollte sich durch die Gebührenerhöhungen im zweiten Halbjahr merklich erhöhen.

Dagegen stehen steigende Personal- und Sachkosten und die Erhöhung der zinslos bei der Bundesbank zu hinterlegenden Mindestreserven. Zudem sind weitere Mindestreserveerhöhungen nicht ausgeschlossen, falls der Zustrom von Devisen nicht entscheidend geringer wird. Insgesamt rechnet das bayerische Institut jedoch mit einer "beachtlichen Gewinnbesserung" für 1972.

Favoriten der Bankaktien waren die Papiere der beiden großen bayerischen Regionalbanken, der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank sowie der Bayerischen Vereinsbank. Bei der Bayerischen Hypo-Bank wird zur Zeit das Bezugsrecht gehandelt, wobei daran zu erinnern ist, daß ein Motiv für die Kapitalerhöhung die Abwehr fremder Einflüsse ist. Die Bank befürchtet, daß jemand versucht, sich über die Bildung eines Aktienpaketes ein Mitspracherecht über die Bank zu sichern. Schon aus diesem Grunde wird der Bezugsrechthandel mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt. Denn im allgemeinen lassen sich Kapitalerhöhungen über den Aufkauf von Bezugsrechten dazu benutzen, dem Ziel der Paketbildung näherzukommen. Ob das auch hier der Fall ist, kann man gegenwärtig nicht erkennen. Fest steht aber, daß in den letzten Wochen Millionenbeträge an bayerischen Hypo-Aktien den Besitzer gewechselt haben.

Etwa gleichzeitig wie die Bankaktien haben auch einige Versicherungswerte im Wert kräftig angezogen. In der Versicherungswirtschaft bahnt sich – nunmehr für die breite Öffentlichkeit sichtbar – eine Ertragswende an. Die Sanierung wurde von der Einnahmenseite her (höhere Prämien) erreicht. Das wird auch so weitergehen. Das Stichwort heißt: Dynamisierung. Banken und Versicherungen haben es verstanden, die Konsequenzen aus der inflationären Entwicklung zu ziehen, wobei ihnen zugestanden werden muß, daß es noch ein weitet Weg bis zu den alten Ertragsrelationen ist. Zum gleichen Ziel sind die Versorgungsunternehmen aufgebrochen. Hier sorgen Tarifanhebungen für eine Gewinnwende. Das ist der Grund, warum Versorgungsaktien in den Börsensälen wieder modern geworden sind.

K. W.