Superminister Helmut Schmidt hat offenbar nur wenig von seinem Urlaub, den er in Schleswig-Holstein verbringt. Zunächst kritisierte die Opposition seine Abwesenheit aus Bonn. Jetzt arbeitet Schmidt ("Dauernd kommen Leute braungebrannt nach Bonn zurück, ich muß doch nun auch mal Urlaub machen") Akten durch und empfängt regelmäßig Bonner Besucher. Beamte seines Ministeriums und Parteifreunde unterrichten den Nachfolger Karl Schillers laufend über die Lage in der Bundeshauptstadt.

Franz Heinrich Ulrich, Vorstandssprecher der Deutschen Bank und Vorsitzender des Aufsichtsrates der "Deutschen

Entwicklungsgesellschaft" (DEG), gab dem Entwicklungsministerium Schützenhilfe. Es habe bislang, so Ulrich, keine Versuche unternommen, die DEG ideologisch umzufunktionieren. Ulrich wandte sich energisch gegen derartige Behauptungen, die in letzter Zeit aufgestellt wurden. Die DEG, von Banken und Industrie zunächst als staatliches Konkurrenzunternehmen recht skeptisch beurteilt, habe sich zu einembegehrten und anerkannten Partner der Industrie für Investitionen in der Dritten Welt entwickelt. Entwicklungshilfe-Staatssekretär Karl-Heinz Sohn wehrte sich gleichfalls gegen Vorwürfe, die DEG werde immer mehr zu einer Unterabteilung seines Ministeriums.

Sowohl Sohn als auch Ulrich erklärten, daß sich die DEG durchaus auch als Investitionspartner verstaatlichter Firmen in den Entwicklungsländern betätigen könne. Wenn man dieses Konzept aufgebe, so könnte die DEG leicht ihr Betätigungsfeld verlieren. Ulrich betonte allerdings, eine Beteiligung an Staatsbetrieben käme nur in Frage, wenn sie nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen geführt würden.

Rainer Barzel, Kanzlerkandidat der CDU/CSU, will nach seinem möglichen Wahlsieg bei der EWG in Brüssel deutsche Gemeinsamkeit praktizieren. Nach seinen Vorstellungen sollten sowohl die Regierung als auch die Opposition je einen der beiden von Bonn zu benennenden Kommissare stellen. Doch Band hegt bei seinem Vorschlag offensichtlich Hintergedanken: Der Parteiproporz könnte auch dann für eine Unions-Anwesenheit in Brüssel sorgen, wenn die Regierung Brandt/Scheel durch Wahlen bestätigt wird. Das Kanzleramt lehnte solche Gemeinsamkeit vorerst aber ab. Barzel hat dennoch bereits die Namen potentieller Kandidaten für die EWG-Metropole bereit. So werden in der CDU/CSU Ex-Minister Hermann Höcherl und der Münchner Bundestagsabgeordnete Hans August Lücker genannt. (Siehe auch Seite 34: Neue Namen.)

Sollte Höcherl wirklich die Absicht haben, nach Brüssel zu gehen (was bislang eher dementiert als bestätigt wurde), so könnte sich vielleicht sogar die amtierende Regierung mit dem Barzel’ schen Proporz anfreunden. Denn Hermann Höcherl steht trotz aller Kontroversen bei Willy Brandt hoch im Kurs. Andererseits wird die FDP bei einer Neuauflage der Regierungskoalition kaum auf einen Mann aus ihren Reihen für Brüssel verachten können.

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