Mit Speck fängt man Mäuse. Jeder Menschenkenner weiß, daß die Leute von den Saisonschlußverkäufen Dinge nach Hause tragen, die sie nie im Leben brauchen, oder für drei Mark Benzin verfahren, um eine Mark zu sparen. Mit sensationellen Reiseangeboten fängt man die heimlichen Weltenbummler und Abenteurer, die ihre Träume von der Schulbank wie eine uneingelöste Hypothek mit sich herumtragen.

Das sensationelle Reiseangebot kommt aus der Kreisstadt Unna in Westfalen: Sieben Tage Las Vegas für 330 Mark. Dafür gibt’s den Jetflug von und bis Frankfurt einschließlich Aufenthalt. Reiseveranstalter Jürgen Draeger weiß, wie man präsumtive Millionäre behandelt. Er bringt sie selbstverständlich im Luxushotel, dort aber im Doppelzimmer, unter und verspricht ihnen "unbegrenztes Essen und Trinken".

Für 330 Mark kann man nicht einmal mit der Lufthansa von München nach Hamburg fliegen. 330 Mark sind für den Ausflug zur Spielhölle von Nevada eine Bearbeitungsgebühr. Man kann sagen: Dem Reisenden wird das Arrangement geschenkt. (Allein der Linienflug von Frankfurt nach Las Vegas kostet in der Touristenklasse 1668 Mark.) Das Spiel aber kann sehr teuer werden. Schließlich reist kein Mensch nach Las Vegas, um seine Zeit mit unbegrenztem Essen und Trinken zu verbringen.

Jürgen Draeger macht zur Bedingung, daß jeder Reiseteilnehmer einen Spieleinsatz von 3000 Dollar (rund 10 000 Mark) locker macht. Das Geld wird vor der Abreise auf dem deutschen Treuhandkonto des Veranstalters deponiert und an Ort und Stelle in Spielmarken ausgefolgt. Reiseunternehmer Draeger lockt mit der Aussicht, an den Spieltischen der Goldgräberstadt Millionär zu werden, und rechnet mit dem Gegenteil. Um einen Anstoß zum Rendezvous mit Fortuna zu geben, schreibt er vor: 500 Dollar muß jeder mindestens riskieren. Das wird kontrolliert. Was einer nicht verspielt oder gewinnt, nimmt er als Bargeld mit zurück.

Der Menschenkenner weiß um der Menschen Schwäche und Hörigkeit. Die Reisenden werden’s wohl nicht beim vorgeschriebenen Mindesteinsatz belassen. Wer noch einen Nickel in der Tasche hat, braucht, wenn er denn schon so preiswert nach Las Vegas gekommen ist, seine Hoffnungen auf unermeßlichen Reichtum noch nicht zu begraben. Mancher wurde in Nevada nur durch das kluge, menschenfreundliche Gesetz vor dem Ruin bewahrt: In Las Vegas werden keine Schecks angenommen.

Der geschenkte Flug wird sich lohnen. Reich oder arm kann man natürlich auch in Travemünde oder im eleganten, zentral gelegenen Wiesbaden werden. Leider kommt man dort nicht so vergleichsweise preiswert hin. bo