Auf den bunten Bildern der Glitzerprospekte mit ihren jubelnden Verheißungen von Ferienglück und Lebensfülle ("Sie leben so herrlich nackt wie im Paradies...") tummeln sich Menschen in nahtloser Bräune. Sie sind um den freiwilligen Verzicht auf einige Quadratmeter Stoff dem verlorenen Garten Gottes vermeintlich nähergerückt: im Hotelzimmer mit Dusche, WC und Blick aufs Meer, jedoch ohne Schlange und verbotene Früchte – einzig bedroht vom Vertreibungstermin des pauschalen Urlaubsendes. Das Paradies liegt in Dalmatien und heißt Punta Skala. Den Schlüssel dazu verwaltet und verleiht Oböna, das Touristikunternehmen für FKK-Reisen.

Oböna ist die Chiffre für das zunehmend populärer werdende Vergnügen an Ferien vom Bikini, und das bedeutet Ferien von jeglichem konventionellen Zwang, so wie’s die glücklichen Nackten verstehen. Von Tabuzertrümmerung und Ersatzreligion ist schon lange nicht mehr die Rede. Nackt – weil’s mehr Spaß macht. Das ist schon alles. Oböna ist ein weiteres Kodewort für den totalen Urlaub. Und das ist doch schon sehr viel.

Reisebürogründer Otto Böcher war noch ein Eiferer, ein sendungsbewußter Naturist mit Vereinsausweis und Ideologie, eingeschworen auf den Kult der Freikörperkultur als exklusive Weltanschauung. Doch als das Nacktbaden an den Stränden von Sylt und Korsika, Frankreich und Jugoslawien in Mode kam, war er dem jäh über ihn hereinbrechenden Umsatzzwang nicht mehr gewachsen und gab auf. Der Pionier wich einem modernen Management mit größerer Kapitaldecke und nüchterner Verkaufskonzeption. Nur die Idee blieb und der Name. Oböna für Otto Böcher, Bad Nauheim.

Die neuen Herrn der GmbH (an ihrer Spitze Alfons Bußfeld vom "Westdeutschen Heilbäderverband" als geschäftsführender Gesellschafter) finden die revolutionäre Romantik und erschrockene Spießigkeit der ersten Stunde kaum noch komisch oder lästig. Eintritt ins Paradies der glücklichen Nackten wird jedem Reisegast gewährt. Wolfgang Kunze, Mitglied der Geschäftsleitung, ist nicht geneigt, aus der epidemischen Lust am Nacktbaden eine orthodoxe Vereinsklüngelei zu machen. Er spricht von "Modernisierung des Urlaubsgedankens" und "befreitem Lebensgefühl". Das ist alles. Der Rest ist Kommerz.

Das Bad Nauheimer Touristikunternehmen hat seinem Schwerpunktziel Punta Skala mit Vorschüssen von mehr als einer Million Mark auf die Beine geholfen. "Da, wo Dalmatien am romantischsten ist" (Prospekt), entstand auf einer Halbinsel, "geschützt vor Spannern" (Kunze), eines dieser zeitgenössischen Ferienparadiese mit komfortablen Hotels und Bungalows. Die FKK-Anlage ist 1,2 Kilometer lang und 400 Meter tief; Sie hat Sandstrand, Badebuchten, Pinienwälder und jeden erdenklichen Zeitvertreib wie Reitpferde, Tennis, Wasserski. Es gibt 1200 Hotelbetten und 700 Bungalows. Und das Wichtigste, Wolf gang Kunze: "Man geht per Haut vom Zimmer zum Strand."

Der Urlaub in Punta Skala kostet 465 Mark (zwei Wochen Vollpension von und bis München; im Bungalow 507 Mark), die Verlängerungswoche 140 Mark, der Meeresblick vom Hotelzimmer sowie der Saisonzuschlag 21 beziehungsweise 77 Mark. 90 Prozent der Oböna-Reisenden entscheiden sich für Punta Skala. Im Angebot des Veranstalters finden sich aber auch die ruhmreichen Nacktbadestrände von Glücksburg und Montalivet in Frankreich sowie Kreuzfahrten im Herbst und zu Silvester.

Otto Böcher hatte einen Jahresumsatz von schätzungsweise 2,5 Millionen Mark. Das neue Management hat, von der Konjunktur und einer wirksamen Werbung beflügelt, diesen Umsatz seit knapp einem Jahr um das Dreifache gesteigert und rechnet für 1973 mit Zuwachsraten bis zu 50 Prozent. Wolfgang Kunze: "Wir sind im Begriff, weitere FKK-Gelände am Mittelmeer zu erschließen." ll