Nur gemeinsam können Regierung, Gewerkschaften und Unternehmer die Inflation bekämpfen

Es war sehr nützlich: Weder hat Heath uns angebellt noch haben wir ihn ständig unterbrochen." So kommentierte Victor Feather den Start zu Großbritanniens "konzertierter Aktion". Wer dem vielbeschäftigten Generalsekretär des Trades Union Congress (TUC) in den letzten Wochen auf Schritt und Tritt gefolgt war, konnte beruhigt feststellen, daß der so machtlose Boß der mächtigen Gewerkschaften wenigstens seinen Humor nicht verloren hat.

Er braucht ihn auch. Was immer nach dem Dockerstreik kommt, bringt ihm noch größere Probleme. An den sichtbaren Notstand haben sich die Insulaner nämlich gewöhnt. Oft genug in den letzten Jahren ruhte die Arbeit in den Häfen, als daß die Briten heute nicht improvisieren könnten.

Vic Feather muß sich nun in einem anderen, weniger sichtbaren Notstand bewähren: in der "konzertierten Aktion" gegen Großbritanniens galoppierende Inflation.

Wie wenig Einfluß der TUC-Chef auf seine Genossen hat, zeigten die letzten Wochen nur zu deutlich. Die Docker streikten gegen den Willen des Gewerkschaftsdachverbands und gegen den Ratschlag ihrer eigenen Transportarbeitergewerkschaft. Schon vorher hatte Feather – auf dem Papier Herr über 140 Gewerkschaften und zehn Millionen Kollegen – über 30 Einzelorganisationen mit rund einer Million Mitglieder vom TUC ausschließen müssen. Grund: Sie hatten sich dem totalen Boykott gegen das Arbeitsgesetz nicht angeschlossen.

Nun soll er der Regierung versprechen, daß seine allzu selbständigen Mitglieder plötzlich Maßhalten werden. "Ein solches TUC-Versprechen", so der Economist, "wäre nicht einmal das Papier wert, worauf es noch gar nicht geschrieben ist."

Die Skepsis scheint berechtigt. Den Kampf gegen den Geldwertschwund – damals elf Prozent im Jahr – hatten die Unternehmer ganz allein schon im Juli 1971 aufgenommen. Campbell Adamson, Generaldirektor der Confederation of British Industry (CBI) hatte genug vom Spiel mit dem Schwarzen Peter, bei dem sich Manager und Gewerkschaften zwei Jahre lang die Schuld an der Inflation in die Schuhe geschoben und zur Abwechslung gelegentlich auch gemeinsam die Regierung für das Übel verantwortlich gemacht hatten. Die 200 größten Inselunternehmen versprachen einen einjährigen Preisstopp mit Aufschlägen – in Notfällen – von höchstens fünf Prozent.