Hannover

Als die erste "Good-will-Mission" aus Bristol am 31. August 1947 in Hannover eintraf, konnten wir erst gar nicht fassen, daß die überhaupt wieder mit uns reden wollten." Hans von Gösseln, städtischer Oberrat und Leiter des Amtes für Verkehrsförderung in Hannover, kriegt noch heute blanke Augen, wenn er sich an die Entstehung der jetzt 25jährigen Städtefreundschaft Hannover–Bristol erinnert. Die erste deutsch-britische Partnerschaft nach dem Zweiten Weltkrieg begann, weil ein paar Engländer den Haß zwischen den Völkern bekämpfen wollten. Alderman St. John Reade, der Germanist Professor Closs und Stadtjugendpfleger Seath machten sich vor zweieinhalb Jahrzehnten auf den Weg in eine Stadt, die wie Bristol schwere Zerstörungen aufwies, und deren Bewohner Unbeschreibliches durchgestanden hatten. Sie wurden mit offenen Armen aufgenommen. "Wir ergriffen die ausgestreckte Hand mit großer Dankbarkeit."

Die Delegation, vor deren Reise mancher Skeptiker gewarnt hatte, besuchte die erste Exportmesse in Hannover, lebte von den obligatorischen Fischbrötchen und erkannte: "Mit diesen Leuten läßt sich’s leben." Das Städteband konnte geknüpft werden. Es hält noch heute. Mehr als 5000 Hannoveraner besuchten ihre Partnerstadt. Hans von Gösseln ist überzeugt davon, daß sie auf ihre Weise als Botschafter des Kontinents aufgetreten sind: "Sie haben bestimmt dazu beigetragen, daß sich die öffentliche Meinung in England in den vergangenen Jahren immer stärker für Europa und die EWG entschieden hat."

Den Anfang machten Studenten. Der Musickreis der Pädagogischen Hochschule Hannover erwies sich als Schrittmacher für Scharen von Kommilitonen. Heute studieren die Germanistikstudenten der Universität Bristol in der Regel ein Semester in Hannover. Schüler folgten "schlicht um schlicht". Ganze Klassen reisten hin und her. Jugendherbergen und Sportverbände, Hausfrauenvereine und Gewerkschaften, Kirchengemeinden und literarische Zirkel schlossen sich an.

Oberst Hume, Chef der britischen Militärregierung im besetzten Hannover, formulierte schon 1947 in deutscher Sprache: "Die Deutschen müssen lernen, daß man mit einem Dudelsack auch Musik machen kann, und wir müssen erkennen, daß ein Gamsbart keine Weltanschauung zu sein braucht." Jetzt geht die Städtefreundschaft Hannover–Bristol in die zweite Generation. Es war ein Abkommen unter Freunden. Eine Urkunde gibt es bis heute nicht!

U. E.