Die Sowjetunion drängt wieder verstärkt auf die möglichst schnelle Einberufung einer Europäischen Sicherheitskonferenz. Auf der Konferenz der Parteichefs des Warschauer Pakts auf der Krim am 31. Juli machte Moskau deutlich, daß es langfristig ein Europa "ohne Blöcke" anstrebt. NATO und Warschauer Pakt sollen aufgelöst werden.

Erst nach und nach werden Einzelheiten der Krim-Konferenz bekannt. Offensichtlich wurde hier die Marschroute des kommunistischen Lagers für die unmittelbare Zukunft festgelegt. So wurde erneut die frühestmögliche Aufnahme beider deutscher Staaten in die UN und die Regelung der Beziehungen zwischen Prag und Bonn auf der Grundlage der Anerkennung des Münchner Abkommens als "ungültig von Anfang an" gefordert. Der erwarteten Erweiterung und Konsolidierung der EWG wird eine zu verstärkende Integration des Comecon entgegengesetzt.

Offensichtlich hielt man es auf der Krimkonferenz auch für ratsam, die DDR zu einem möglichst schnellen Abschluß der Verhandlungen mit der Bundesrepublik über einen "Grundvertrag" noch vor den Bundestagswahlen zu drängen. Staatssekretär Bahr erklärte nach seinem letzten Gespräch mit dem Ostberliner Unterhändler Kohl, "daß der Charakter unserer Begegnung das nächste Mal ein anderer sein wird". Vor Erteilung des formellen Auftrags zu Verhandlungen hatte sich auch das Bundeskabinett abermals mit den schwierigen Formeln befaßt, die zur Debatte stehen: wie bei zwei voneinander unabhängigen Staaten das "besondere Verhältnis", das "Fortbestehen der deutschen Nation", die "Verantwortung der Vier Mächte für das gesamte Deutschland bis zum Friedensvertrag" dennoch gewahrt bleiben können.

Das Bestreben Ostberlins und Moskaus, noch vor der geplanten Sicherheitskonferenz die diplomatische Anerkennung durch Finnland zu erreichen, hat sich Helsinki für die Demonstration seiner Neutralität zunutze gemacht. Noch unmittelbar vor der Anerkennung gaben die Finnen deutlich zu verstehen, daß sie nun nicht länger warten würden, zumal Bonn es sich nicht leisten werde, als alleiniger Störenfried dazustehen oder allein die Sicherheitskonferenz zu boykottieren.

Auch die Polen treten für die baldige Abhaltung dieser Konferenz ein, an deren Vorbereitung, so Warschau, beide deutschen Staaten gleichberechtigt beteiligt sein sollen. Die Trybuna Ludu sprach von einem Prozeß der Normalisierung zwischen Bonn und den sozialistischen Ländern, der weitergehe (Siehe auch Dokumente der ZEIT). In diesem Zusammenhang hat die schleppende Art, mit der seit einiger Zeit die Umsiedlung von Personen deutscher Volkszugehörigkeit durch die polnischen Behörden betrieben wird, in Bonn Besorgnis hervorgerufen. Ihre Zahl ist jetzt um die Hälfte auf etwa 1000 Personen monatlich zurückgegangen.