Von Jürgen Dahl

Was immer man dem amerikanischen Biologieprofessor Paul R. Ehrlich an Schwarzmalerei und Zweckpessimismus vorgeworfen hat, was immer man an seinem 1970 erschienenen, jetzt auch bei uns vorliegenden Buch im Detail auszusetzen fand – es bleibt ein lesbares, wissenschaftlich fundiertes und im Ganzen durchaus zuverlässiges Kompendium –

Paul R. Ehrlich/Anne H. Ehrlich: "Bevölkekerungswachstum und Umweltkrise" – Die Ökologie des Menschen; S. Fischer Verlag, Frankfurt; 544 S., 30,– DM.

Beschreibung, Analyse und Prognose aller Aspekte unserer ökologischen Situation werden hier übersichtlich dargeboten: das Bevölkerungswachstum, seine Begrenzung durch ökologische Faktoren (Nahrung, Bodenschätze, Energie), die einzelnen Umweltgefahren von der Luftverschmutzung bis zum Lärm, die Gefährdung der Ökosysteme und die Fragen der Geburtenkontrolle.

Daß es dem Erie-See in Wirklichkeit etwas besser gehe, als bei den Ehrlichs zu lesen ist – solche und andere etwa möglichen Einwände vermögen, selbst wenn sie zutreffen, die Düsternis kaum aufzuhellen, die hier beschrieben wird, und es braucht von diesen Nebensachen hier um so weniger die Rede zu sein, als sie weder die Brauchbarkeit des Buches mindern noch seine Bedeutung als nun schon fast "klassisches" Werk der Umweltliteratur.

Was dieses Buch von anderen seiner Art unterscheidet, ist im Titel angedeutet: Das ungeheure Wachstum der Weltbevölkerung wird als Ursache aller Übel dingfest gemacht und, Punkt für Punkt der Anklage, schuldig gesprochen. Wo mehr Menschen leben, da entstehen mehr Abwässer und Abfälle, da wird mehr Lärm erzeugt, da werden die natürlichen Ressourcen erschöpft, da wird mehr Nahrung verbraucht, zu deren Produktion es gefährlicher Pestizide und Düngemittel bedarf. Die Beschränkung der Geburtenzahl bedeutet den Ehrlichs demnach eine conditio sine qua non für die Erhaltung des menschlichen Lebens – Beschränkung vor allem in den Ländern der Dritten Welt, in denen das Wachstum besonders rapide vor sich geht.

Die Entwicklungsländer haben sich auf der Umweltkonferenz in Stockholm ganz entschieden dagegen gewehrt, daß man ihnen nach der rücksichtslosen Ausbeutung ihrer Rohstoffquellen nun auch noch mit Vorschriften so intimer Art zu kommen gedenke.