Er ist jetzt, wie jedes Jahr, in seinen Sommersitz Castel Gandolfo umgezogen – nicht ohne vorher durch den Substituten des Staatssekretariats, Erzbischof Benelli, erklären zu lassen, es gehe ihm gesundheitlich gut. Daß auch die Kirche "nie so lebendig, vital und kraftvoll war wie heute" (so Benelli im Vatikansender), dürfte er indessen mit Staunen vernommen haben. Der stickigen Schwüle am Tiber entkommen, gibt sich der Papst – wohlversehen mit Beethoven-, Bach- und Brahmsplatten – auch in der frischen Luft der Albanerberge seiner Lieblingsbeschäftigung hin, die allerdings stets in fromme Kontemplation mündet: dem Grübeln – soweit die Aktenberge, die er sich nachschicken läßt, Zeit lassen.

"Manchmal lese ich, daß ich unentschieden, unruhig, ängstlich, unschlüssig zwischen verschiedenen Einflüssen sei", gestand er dem Pariser Weihbischof Daniel Pezeril. "Vielleicht bin ich langsam, aber ich weiß, was ich will. Und schließlich ist es mein Recht, nachzudenken ..." Und wer wollte dies einem Manne verwehren, der sich als 264. Stellvertreter in einer Nachfolge sieht, deren Anspruch – ernstgenommen – menschliche Maßstäbe übersteigt.