Kiefersfelden

Kuno von Trauenstein oder Die Braut des Gemordeten" hieß das Drama im 500-Plätze-Festspielhaus zu Kiefersfelden, dem bayerischen Grenzort nahe Kufstein, zu dem allsommerlich Scharen von Einheimischen, Sommerfrischlern und Münchnern ziehen. Darinnen freit Ritter Kuno um die über alle Maßen tugendhafte Adelheide. Der böse Rumhold begehrt sie ebenso. Sie ihrerseits liebt jedoch Kuno allein. Mittels finsterer Ränke trennt Rumhold das liebend Paar; geschickt gaukelt er der Gutgläubigen Seitensprünge des Geliebten vor. Damit nicht genug, beschließt er, ihn meuchlings zu morden. Dieses aber, Gott sei’s gedankt, geht fehl: Kuno wird gerettet, Rumhold stürzt in die Schlucht und stirbt gräßlich.

Was auffällt in diesem Sommer, sind die vielen Schwabinger, die ins Hochland ziehen, das schaurig-schöne Schauspiel zu schauen. Eis oder Bier in der Hand, verfolgen sie ohne jeglichen gebührenden Respekt die "Erzgaudi" – zur tiefen Trauer der Eingeborenen, die sich unverstanden fühlen und doch hoffen, daß ihr Theater, "a Aufgab", dereinst doch noch einmal begriffen wird. Zum 350. Sommer schrieb Spielleiter Peter Hupfauf vor vier Jahren zum Jubiläum ins Programmheft: "Es wäre mein Wunsch, daß die Kieferer nicht erlahmen möchten, den edlen Idealismus unserer Vorgänger weiterhin zu pflegen und fortzusetzen, trotz unruhiger Zeit, zu ihrer und der Zuschauer Freude und zum Wohle Kiefersfeldens..."

In Peter Hupfaufs Sinn ist die Zeit inzwischen wohl kaum ruhiger geworden. Wenn in der Theaterhütte überlegen-belustigte Lacher aufkommen, wenn die Häme zunimmt, agieren die Schauspieler zwar mit vollem Ernst und in großer Naivität weiter – doch nach dem Spiel ist die Resignation nicht zu überhören. Ihrem traditionsreichen Tun flicht die Umwelt dürre Kränze. Wie sagte doch ein Kieferer nach Ende der dreistündigen Vorstellung? "S’ wird immer schlimmer. Aber die Schauspieler sind Gott sei Dank auf deitsch gsagt so richtig pelzerne Hund, die ham a dickes Fell. Unser Wunschpublikum war halt: Nur Kieferer." Angelika Boese