Warum deutsche Unternehmen in Chile nicht mehr investieren wollen

Von Wolfgang Hoffmann

Albert Kaltenthaler, Vorstandsmitglied der Rosenthal. AG in Selb, stöhnte auf: "Bei dem Verhalten würden wir heute sicher nicht mehr nach Chile gehen." Seit die Volksfrontregierung des Präsidenten Allende Wirtschaft und Politik des Landes auf sozialistischen Kurs zu steuern sucht, weht den Investoren aus westlichen Industrieländern ein rauher Wind ins Gesicht.

Selbst der Leiter der staatlichen Planungsorganisation Odeplan, Direktor Gonzalo Martner, schätzt das neue Klima richtig ein, wenn er zwar bedauernd, jedoch nüchtern feststellt: "Vorerst rechnen wir nicht mit ausländischen Investoren." Der Grund für die Skepsis westlicher Kapitalisten und des parteilosen Politökonomen ist der gleiche: Chiles bislang demokratisch beschrittener Weg in den Sozialismus ist von Umständen begleitet, die ausländische Unternehmen erheblich verunsichert haben.

Was die Regierung von Allendes Vorgänger, dem Christdemokraten Eduardo Frei, vor Jahren zaghaft begonnen hatte, setzt die Volksfront nun radikal fort. Zu spüren bekamen dies als erste die Großgrundbesitzer des Landes. Landreform und Enteignung, von Frei in Gang gesetzt, stehen nun nicht mehr auf dem Papier – wie auch deutsche Landbesitzer in Chile erfahren haben. Der ehemalige FDP-Abgeordnete Knut Freiherr von Kühlmann-Stumm war einer der ersten, der sein knapp 1000 Hektar großes Gut "El Rodeo" verlor. Freilich hätte der Edelmann schon beim Kauf ahnen können, welches Ende sein Besitz nehmen würde. Denn 1967 war die umfassende Landreform längst beschlossene Sache. Womöglich war das auch der Grund dafür, weshalb der Kühlmannsche Besitz nach Auffassung der Chilenen nur mangelhaft bewirtschaftet war. Sie werfen ihm vor, er sei nur zur Jagd nach Chile gekommen.

Kühlmann-Stumm fand denn auch wenig Fürsprecher, als ihn der Enteignungsbeschluß traf. Enteignungen mit vorausgegangener Landbesetzung trafen auch den Frankfurter Warenhausmillionär Georg Karg (Hertie) und den Hamburger Versandhändler Werner Otto.

Ein anderer deutscher Versandhändler blieb hingegen nahezu ungeschoren: der Fürther Quelle-Boß Gustav Schickedanz. Seine Landarbeiter nahmen ihn gegen die beabsichtigte Enteignung in Schutz. Sie versprachen sich von der weiteren Bewirtschaftung der Fleisch-, Milch- und Getreidefarm durch Schickedanz offenbar mehr als von der Enteignung und Überführung In Staatsbesitz, die in vielen Fällen infolge schlechten landwirtschaftlichen Managements zugleich auch einen starken Ertragsrückgang auf den Gütern bedeutet.