DIE ZEIT

Schäumendes

Manche Spötter und Weinkenner hatten gleich gemeint, das neue Weingesetz vom Juli 1971 diene mehr den Bedürfnissen der Speditionsunternehmen als dem Ruf guter Lagen.

Arabischer Bismarck?

Mit verordnetem "Jubel" reagierte Libyen, mit "Freude" Ägypten auf die geplante Fusion des 34-Millionen-Volkes im Niltal mit dem knapp Zwei-Millionen-Staat in der Wüste.

Nicht so schnell

Anfang Juli hatte es den Anschein, die Koreaner wollten und könnten den Deutschen zeigen, wie man Wiederannäherung, ja Wiedervereinigung mit kurzem, kraftvollem Anlauf vollzieht – aus dem Zement des Kalten Krieges mitten hinein in die nationale Einheit.

Ein Anschlag auf Europa

Wenige Tage nach der Unterzeichnung des Münchner Abkommens vom 30. September 1938 schrieb der amerikanische Diplomat George Kennan, damals noch ein unbekannter Debütant an der Prager US-Gesandtschaft, an das State Department: "Die Tschechoslowakei ist schließlich ein mitteleuropäischer Staat.

Krisen in Rudeln

Alle Schiffe stehen still, aber der Premierminister segelt. In Nordirland drängt alles auf eine militärische wie politische Entscheidung zu, aber das Parlament geht pünktlich in die Ferien.

Zeitspiegel

Aus Moskau kommt eine neue Version von dem Tod Lin Piaos, des ehemaligen Stellvertreters Maos. Das Flugzeug, in dem Lin mit seiner Familie und einigen Genossen nach Moskau fliehen wollte, war bereits wieder auf dem Rückflug nach China, als es im vergangenen September in der Mongolei abstürzte.

Weltmeisterschaft in Reykjavik: Ein Rätsel vor dem Schachbrett

Da kommt man von der Schach-Weltmeisterschaft in Reykjavik zurück und stellt fest, daß die eigentliche Aufregung zu Hause stattfindet: Das höfische Kriegsspiel, vor fünfzehnhundert Jahren für gelangweilte indische Duodezfürsten und ihre beschäftigungslosen Generäle erfunden, ist jetzt erst so richtig entdeckt worden.

Erich Honecker muß einlenken

Die DDR-Führung gerät immer mehr in die Klemme zwischen den Erfordernissen der Realpolitik und ihren ideologischen Theorien.

Mit der Wurst nach der Speckseite

Zufrieden flog am vorigen Freitag Kurt Nier, Chef der nordischen Abteilung im DDR-Außenministerium, von Helsinki nach Ostberlin zurück.

Südvietnam: Furcht vor Frieden?

Der Mönch Tri Quang, seit Jahren einer der schärfsten Gegner des Saigoner Regimes, hüllt sich in Schweigen. In seinem kargen Zimmer in der An-Quang-Pagode hat er für den ausländischen Besucher lediglich ein Lächeln.

Forschungspolitik: 1,5 Milliarden jährlich – wofür?

Der "Förderungskatalog 1971", den Wissenschaftsminister von Dohnanyi in der vorigen Woche vorgelegt hat, gibt in zwei umfangreichen Bänden zum erstenmal detailliert über die vom Wissenschaftsministerium geförderten Forschungsprojekte und Forschungsinstitutionen im Jahr 1971 Aufschluß.

Bonner Parteien: Mit Macht zum Ende

Allmählich füllt sich Bonn mit braungebrannten Urlaubsrückkehrern, die sich tatendurstig und entschlossen zeigen, für den Rest der abgekürzten Legislaturperiode und den bevorstehenden Wahlkampf alle Kräfte zu mobilisieren.

Wahlkampf in den USA: Schlechte Chancen für McGovern

Mit der Berufung Sargent Shrivers zum Vizepräsidentschaftskandidaten könnten die Führungskrise und die Wahlkampfmisere der Demokratischen Partei überwunden werden, wenn der vom Mißgeschick verfolgte Feldzug George McGoverns um das Weiße Haus nicht noch auf neue Widrigkeiten stößt.

Wolfgang Ebert: Willkommen bei der CDÜ

Im Auffanglager der Opposition für Koalitionsflüchtlinge waltet Herr Gewandel seines schwierigen Amtes. Er muß die Zuwanderer in Empfang nehmen und ihnen dabei manche Illusionen nehmen.

Aufstand im Gefängnis: Ruhe in Santa Fu

Senator Ernst Heinsen, Präses der Hamburger Justizbehörde, ist ein rechtschaffener und loyaler Mann. Doch an politischer Fortune fehlte es ihm bislang.

Lokalzeit: Farbgefühl und Kunstsinn

Die weltbekannten Münchner Renommier-Bauwerke haben Konkurrenz bekommen: Überall in der Olympiastadt, besonders aber an und um die schon vielgeliebte neue Fußgängerzone, in Schwabing und im sonst schon traditionell vernachlässigten Ostbahnhofviertel.

Der Hund hat’s besser

Sicherheit und Ordnung zuerst, das war in Fuhlsbüttel seit dem Baujahr 1906 oberstes Gebot. Hierher schickten wie auf eine Abraumhalde menschlicher Schicksale die Länder Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein ihre schwersten Jungs, Rückfalltäter zumeist und "Lebenslängliche".

Ritter Rumholds Ende: Häme über Kuno

Kuno von Trauenstein oder Die Braut des Gemordeten" hieß das Drama im 500-Plätze-Festspielhaus zu Kiefersfelden, dem bayerischen Grenzort nahe Kufstein, zu dem allsommerlich Scharen von Einheimischen, Sommerfrischlern und Münchnern ziehen.

Umschulung: Jobs für grüne Witwen

Mütter sind ausgebeutet", fand der Psychologie-Professor Alexander Mitscherlich in einem sozialpsychologischen Gutachten vor drei Jahren, "sie sind ausgebeuteter, als es jemals der Fall war.

Brandt will bald Neuwahlen

Die Neuwahlen zum Bundestag werden noch in diesem Jahr stattfinden. Bundeskanzler Brandt sagte unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Urlaub, er freue sich über den Entschluß der Opposition, einen Termin Ende November/Anfang Dezember zuzustimmen.

SALT: Debatte in den USA

Mit 88 gegen zwei Stimmen hat der amerikanische Senat das SALT-Teilabkommen ratifiziert, das eine Beschränkung der Raketenabwehrsysteme (ABM) auf zwei Schutzgürtel mit je 100 Abschußrampen vorsieht.

Ein Europa "ohne Blöcke"

Die Sowjetunion drängt wieder verstärkt auf die möglichst schnelle Einberufung einer Europäischen Sicherheitskonferenz. Auf der Konferenz der Parteichefs des Warschauer Pakts auf der Krim am 31.

Dokumente der ZEIT:

"Die Bedeutung des Treffens auf der Krim wird durch die Tatsache unterstrichen, daß es gerade jetzt, in der gegenwärtigen Lage in Europa und in der Welt, stattgefunden hat.

Vietnam: Wieder Boykott?

Die Pariser Vietnam-Konferenz droht zum drittenmal festzufahren. Nach der 153. Sitzung deutete am Donnerstag voriger Woche der amerikanische Delegationssprecher an, die USA könnten die Sitzungen erneut boykottieren, sollte sich die Gegenseite nicht endlich zu konkreten Verhandlungen bequemen.

Heath weiter in Nöten

Trotz der täglichen Gespräche zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft zeichnete sich am Dienstag noch kein Ende im Streik der britischen Hafenarbeiter ab.

Shriver neuer Kandidat

Nach langer Suche hat George McGovern, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, einen neuen "running mate" gefunden: Der 56jährige Robert Sargent Shriver nahm sein Angebot an, als Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten in den Wahlkampf zu ziehen.

Das große Vielleicht

Am 1. August starb der Dichter, Kulturkritiker und Revolutionär Ernst Fischer

Raufereien und Manipulationen in Salzburg und Bayreuth: Zwei Skandälchen

Auf mittlerweile irritierende Weise sind Festspiele die Spielwiesen der Gesellschaft geblieben. Zuerst als Gallionsfiguren des kulturellen Überbaus, sodann von der Krise der Institutionen und Autoritäten betroffen, werden sie jetzt nur leicht resignierend betrieben; wird einmal gegen die Verramschung von Mozart durch den Tourismus in Salzburg oder gegen die Verfälschung von Wagner durch weihevolle Erbaulichkeit in Bayreuth aufgemuckt, dann demonstrieren Festspiele, wie sinnvoller Protest und produktive Unruhe zu hohlem Theaterdonner verkommen können.

Streitfall Solschenizyn: Luchterhands Sieg

Das Erstaunlichste an dem Verlag Langen Müller, der im vorigen Herbst bekanntlich den Buchhandel mit einer Piratenausgabe von Alexander Solschenizyns Roman "August Vierzehn" eindeckte, ist seine Art, auch die eindeutigsten Niederlagen in dem anschließenden Rechtsstreit mit dem Verlag Luchterhand per Pressemitteilung in Siege zu verwandeln.

Ein Buchstabe zuviel

Lohnt es sich? Lohnt sich ein Disput um einen einzigen Buchstaben des Alphabets, dazu noch des russischen? Es handelt sich hier um die Frage, ob die deutschen, des Russischen unkundigen Leser so genau wie möglich mitgeteilt bekommen, wie der Autor heißt, der "Krebsstation", "Erster Kreis der Hölle", "August Vierzehn" geschrieben hat.

Die neue Schallplatte

Su Kramer ist, wie viele in dieser Geschäftsbranche, ziemlich plötzlich auf die Pop-Szene gewirbelt worden. 1968 hatte man sie für die Münchener Aufführung des Musicals "Hair" entdeckt; gut fünfhundertmal hat sie die Sheila darin gesungen.

Kunstkalender

Die documenta hat auf Pearlstein verzichtet, obgleich viele ihn für eine wichtige Figur oder sogar einen Wegbereiter des radikalen Realismus halten.

Filmtips

"Abenteuer der Südsee", von Folco Quilici. Nach Motiven einer polynesischen Legende erzählt Quilici die Geschichte einer pazifischen Odyssee: Von widrigen Winden wird der junge Eingeborene Tanai mit seinem winzigen Auslegerkanu kreuz und quer durch den Stillen Ozean getrieben.

Zeitmosaik

Je größer die Intelligenz, um so verheerender kann ihre Dummheit ins Kraut schießen. Selten sind es die Törichten, oft die schlauen Bescheidwisser, die der Welt ihre Niederlagen heimzahlen möchten.

Auf die Uni ohne Prüfung

Vorstellungen der Erziehungsgewerkschaftler zur Bewältigung des Numerus clausus

Argumente für und gegen: Camping

Am vollen Busen der Natur ruhen: wer von uns Großstädtern wollte das im Urlaub nicht? Die einen Freunde versuchen uns zu raten: nur wer "campt", lebt natürlich: die anderen versuchen uns abzuraten: Camping ist nun wirklich das letzte.

Von ZEIT-Mitarbeitern

Rudolf Walter Leonhardt: "Deutschland". Vier faszinierende Eigenheiten hat dieser prächtige Bildband – mich jedenfalls faszinieren sie.

Kritik in Kürze

"Der Torpedokäfer", von Franz Jung. Die Neuausgabe von Franz Jungs Autobiographie "Der Weg nach unten" ist ein Musterbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte: Man stülpt ihr mit Hilfe eines Nachworts ein dogmatisches Interpretationsschema über, das ganze Bereiche von Jungs Lebensproblematik und damit auch gewisse editorische Pflichten einfach außer acht läßt.

Ulbricht: "Nur ein Trick der Kapitalisten"

Eine der interessantesten Erscheinungen des bewegten Jahres 1968 war die nervöse, ja geradezu feindselige Reaktion der kommunistischen Parteien auf Regungen, die in Richtung Arbeiterselbstverwaltung oder Dezentralisierung der Wirtschaft gingen.

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