Von Horst-Wolfgang Bremke

Mütter sind ausgebeutet", fand der Psychologie-Professor Alexander Mitscherlich in einem sozialpsychologischen Gutachten vor drei Jahren, "sie sind ausgebeuteter, als es jemals der Fall war. In einer mobilen Gesellschaft sind sie zu einer ganz unzeitgemäßen Immobilität verurteilt, und dann sieht ihre Umwelt meist noch aus wie ein langweiliger Kurort im 19. Jahrhundert."

Arbeitspsychologen und Wirtschaftler sind sich einig, daß es gut wäre, die Hausfrau wieder ins Berufsleben einzugliedern: für ihre seelische Verfassung deswegen, weil sie dann wieder Gelegenheit hat, sich zu bestätigen und dafür anerkannt zu werden; wirtschaftlich, weil sie manche Personallücke füllen könnte.

"Man muß sich darüber klar sein", so noch einmal Mitscherlich, "daß die durchschnittliche Ehefrau als Mädchen berufstätig war, daß sie dann für eine maximale Periode von fünfzehn Jahren den Beruf der Mutter ausübt, danach aber noch eine Lebenserwartung von 35 und mehr Jahren hat, während der sie sich um die Fortsetzung ihrer Berufsrolle bemühen muß, wenn sie nicht das Schicksal jener Frauen teilen will, die für Jahrzehnte in der Wiederholung der immer gleichen, zum Teil leerlaufenden Haushaltspflichten erstarren."

Doch die Umstellung vom Hausfrauen- ins Berufsleben ist hart. Was man von der berufstätigen Frau erwartet, skizzierte die ehemalige Staatssekretärin Caroline K. Simon knapp: "Vier Dinge muß eine Frau können: aussehen wie ein Mädchen, auftreten wie eine Lady, denken wie ein Mann und arbeiten wie ein Pferd."

Trotzdem überspringen viele die Hürden, weil sie es als "grüne Witwen" nicht mehr aushalten. Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung meldeten sich beispielsweise 1969 jeden Monat zwischen 3500 und 6000 "Rückkehrerinnen" bei den Arbeitsämtern der Bundesrepublik.

Inzwischen ist ihre Zahl noch gestiegen. Ihr Alter lag 1969 zu 49 Prozent zwischen 25 und 35 Jahren. Die Frauen wollten nach relativ kurzer Unterbrechung wieder ins Berufsleben zurück. Bei der Gruppe, die ihre Berufstätigkeit längere Zeit unterbrochen hatte, war die Hälfte zwischen 35 und 50 Jahre alt. Über ein Fünftel der Frauen war sogar 55 Jahre und älter.