Zuviele Kinder wachsen in Heimen auf. Ein neues Adoptionsrecht will dies ändern

Unser Adoptionsrecht wird seit langem heftigkritisiert. Es ist veraltet, denn in seinen Grundzügen stammt es noch aus dem vorigen Jahrhundert. Alle Parteien im Bundestag sind sich einig, daß es neu gefaßt werden müßte.

Bislang sind der Adoption ("wer keine ehelichen Abkömmlinge hat, kann durch Vertrag mit einem anderen diesen an Kindes Statt annehmen", Paragraph 1741 Bürgerliches Gesetzbuch) große Hindernisse in den Weg gelegt. Diese lauten, auf einen groben Nenner gebracht: Elternrecht geht vor Kinderrecht. Wenn eine leibliche Mutter ihr Kind nicht "hergeben" will, kann sie keiner dazu zwingen, auch dann nicht, wenn sie es in einem Heim aufwachsen läßt, wo es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem seelischen Krüppel heranwächst. Denn auch die selbstloseste Pflege, die in Heimen in aller Regel eine Mässenpflege ist, kann dort den Kindern nicht die Familie ersetzen.

Der Weg dieser Kinder auf der Elendslaufbahn ist vorgezeichnet: Ihre körperlichen und seelischen Schäden (die Ärzte nennen es Hospitalismus) sind irreparabel. Die Kinder landen auf Sonderschulen, und von dem Teil, der später straffällig wird, wissen unsere Strafrichter ein Lied zu singen.

Dies brauchte nicht so zu sein. Die Zahl der Eltern, die bereit sind, ein Kind zu adoptieren, wächst von Jahr zu Jahr. 1970 gab es rund 6000 adoptionswillige Eltern, aber nur 3150 Kinder, die zur Adoption freigegeben wurden. Das heißt, eine Vielzahl von Kindern, sie geht, über die Jahre summiert, in die Tausende, muß weiter in Heimen leben, obwohl sie in einer Familie hätte aufwachsen können.

Der Regierungsentwurf sieht hier entscheidende Änderungen vor. In aller Regel geben ledige Mütter (der größte Prozentsatz aller Heimkinder ist unehelich geboren) die Einwilligung zur Adoption unwillig, beziehungsweisesie verweigern sie völlig. Dies geschieht oft aus Gleichgültigkeit dem Kind gegenüber, oder die Mutter hofft, "irgendwann" es doch noch zu sich nehmen zu können. Dieses "irgendwann" kann aber dann zu spät sein. Denn schon dreijährige Heimkinder leiden unter schweren Fehlentwicklungen.

Nach dem geltenden Recht konnte ein Vormundschaftsgericht die Einwilligung zur Adoption zwar ersetzen, wenn diese "böswillig" verweigert und die Elternpflicht dauernd gröblich verletzt wurde. In der Praxis sind solche Fälle jedoch schwer nachzuweisen. Denn nach dem geltenden Recht kam eine Mutter ihrer Elternpflicht schon nach, wenn sie sich ein paarmal telephonisch im Heim nach dem Befinden ihres Kindes erkundigt hatte.