Erst vor etwa zwei Jahren präsentierte sich Franz Xaver Ortner, damals 33, nach eigenen Angaben Kind einer Arbeiterfamilie, im brandneuen Palazzo eines Vaduzer Bauherrn als Chef der "Bankhaus Bansa KG". Dabei ließ er sich und seinen Mammon-Tempel von einem ahnungslosen greisen Domkapitular weihen und übergab einem Beauftragten der Stadt München einen damals noch gedeckten Scheck für wohltätige Zwecke.

Schon zu dieser Zeit waren Kollegen anderer Banken wenig erbaut über diesen gentleman – allerdings nicht aus Konkurrenzangst. Wie man hinter vorgehaltener Hand kolportierte, war Ortner etliche Jahre zuvor dem Hinausschmiß aus einer Münchner Großbank-Filiale nur dadurch entgangen, daß er dem Rat folgte, von sich aus den Hut zu nehmen. Daß der frischgebackene "Bankier" dennoch mit der Zulassung seiner "Vollbank" durch die Berliner Aufsichtsbehörde prahlen konnte, erstaunte Eingeweihte. Aber nicht nur darüber schüttelten Fachleute bedenklich den Kopf. Ortners Bank, deren Namen in Frankfurt einen guten Ruf gehabt hatte – allerdings zu Zeiten Goethes –, erfreute sich zwar des Segens aus Berlin, nicht aber der Gnade des Bankenverbandes. Dort wurde seine Aufnahme nicht einmal erwogen.

Mit Geldbeträgen, deren Höhe angesichts seiner kurzen "Karriere" erstaunlich war, bastelte Ortner, insoweit ein Mini-Vetter im Geiste des IOS-Cornfeld, aus alten Firmenmänteln und Neugründungen einen kleinen Konzern von Teilzahlungs-, Finanzierungs-, Geldhandels-, Vermögensverwaltungs- und ähnlichen Gesellschaften zusammen. Meistens bediente er sich der schwer durchschaubaren Rechtsform einer GmbH & Co. KG. Mittels- und Strohmänner, die nicht gerade zur Elite der bayerischen Finanzwelt gehörten, sollen ihm dabei geholfen haben. Otto von Bressensdorf, der bis heute seinen sieben Jahre alten, spektakulären Konkurs nicht abzuwickeln vermochte, gehörte ebenso dazu wie ein "nicht freiwillig" aus einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft ausgeschiedener Syndikus. Ein anderer Helfer war Georg Überreiter, ein ebenfalls in Konkurs gegangener Händler von unrealisierbaren KG-Beteiligungen. Dennoch fahndete Ortner erfolgreich nach gutgläubigen, wohlhabenden Mittelständlern, die ihm gegen horrende Zinsversprechen schließlich fast 78 Millionen Mark als langfristige Festgelder anvertrauten.

Ein Fernschreiben der Berliner Kreditaufsieht, das Ortner wegen "Mängel in der Führung der Geschäfte" jede Bankaktivität verbot und die Liquidation des Instituts anordnete, setzte dem Treiben ein jähes Ende. Die handgepinselte Auskunft an einer Glastür der Bansa Bank "Vorübergehend geschlossen" besagte weniger als die halbe Wahrheit. gns