Am Anfang waren die Spekulationen wenig verheißungsvoll. Paris wolle, so hieß es in der EWG-Verwaltungszentrale "Berlaymont" in Brüssel, den früheren Außenminister Couve de Murville als, Präsidenten der EWG-Kommission benennen. Daß die französische Regierung ausgerechnet den getreuen Vollstrecker der Außenpolitik de Gaulles nach Brüssel entsenden würde, wenn der Vorsitz in der ab 1. Januar von neun auf 14 Mitglieder vergrößerten EWG-Kommission an einen Vertreter Frankreichs fällt, mochte indes niemand so recht glauben.

Seit der Umbildung der französischen Regierung werden die an der Brüsseler Gerüchtebörse gehandelten Namen der möglichen neuen EWG-Kommissare mit Anspruch auf höhere Wahrscheinlichkeit weitergegeben. François Xavier Ortoli, Minister für Industrieentwicklung in der Regierung Chaban-Delmas, sei der neue Favorit von Präsident Pompidou für den Chefsessel im "Berlaymont". Ob er es tatsächlich ist, weiß niemand. Auch Jacques Chaban-Delmas selbst, den Pompidou als Premierminister entließ, erreichte eine gewisse Kursnotierung. Sie wurden vor allem von Gerüchten aus britischen Zeitungen genährt. So habe der an einem Brüsseler Posten interessierte britische Botschafter in Paris, Sir Christopher Soames, gesagt, er wolle nur dann EWG-Kommissar werden, wenn ein profilierter Politiker Präsident werde. Jetzt rätselt man darüber, ob der prominente Diplomat mit politischen Ambitionen damit nicht schon auf dem Rückzug ist, weil Brüssel aus Londoner Sicht eben doch kein geeignetes Startloch für politische Karrieren ist. hhb