Manche Spötter und Weinkenner hatten gleich gemeint, das neue Weingesetz vom Juli 1971 diene mehr den Bedürfnissen der Speditionsunternehmen als dem Ruf guter Lagen. Die berühmte veritas könne vielleicht noch aus dem Wein kommen, in ihm sei sie bestimmt nicht mehr. Nun droht das monströse Gesetzeswerk auf andere Weise eine umstrittene Wahrheit zu fixieren. Die DDR ist auf dem besten Wege, die Bonner Anerkennung per Etikett zu erreichen. Offiziell heißt das perlende Getränk hierzulande jetzt Schaumwein. Mit den besser klingenden Namen "Qualitätsschaumwein", "Sekt" oder "Prädikatssekt" darf es sich nur schmücken, wenn gewisse Auflagen erfüllt sind. Ähnliches gilt für ausländische Erzeugnisse. Der Name "Sekt" ohne weiteres Attribut ist allein dem inländischen Produkt vorbehalten – es sei denn, im herstellenden Ausland sei Deutsch Amtssprache.

Aber "Deutscher Sekt"? Ist damit der bundesrepublikanische Schaumwein besserer Qualität gemeint? Mitnichten; das Getränk heißt "Rotkäppchen" und stammt aus der DDR; es wird in der Bundesrepublik unter solch ungesetzlicher Bezeichnung vertrieben. Nun ist Deutsch drüben zweifellos Amtssprache. Doch wäre die korrekte Bezeichnung "Deutscher Demokratischer Sekt" nicht präziser? Will die DDR etwa vor dem Grundvertrag noch vollzogene Tatsachen schaffen: Einheit der deutschen Nation – nein; Einheit des deutschen Sekts – ja?

Fürwahr, ein Politikum. Die Franzosen wußten schon, was sie taten, als sie uns im Versailler Vertrag kurzerhand die Bezeichnung "Champagner" verboten. Ihnen war damals jedes Mittel recht, die querelles d’allemands anzuheizen, die berühmte deutsche Zwietracht. Sie schlägt Blasen selbst dort, wo nur der Sekt perlt.

H. B.