Von zweifelhaften Offerten ist der deutsche Effektenmarkt in letzter Zeit verschont geblieben. Dafür gibt es mehrere Gründe. An erster Stelle steht sicherlich die zurückgewonnene Vorsicht deutscher Kreditinstitute, die nicht mehr – wie noch vor einigen Jahren – mehr oder weniger ungeprüfte Emissionen ihrer Kundschaft anbieten. Nicht nur die Zeichner zweifelhafter Angebote haben Lehrgeld zahlen müssen, auch die mitschuldigen Kreditinstitute sind nicht ungerupft davongekommen. Ihre sonst so gern zur Schau gestellte weiße Weste hat dunkle Flecken erhalten.

Für die Besitzer der 5 3/4prozentigen Wandelanleihe der Commonwealth Overseas N. V. geht das Trauerspiel in eine neue Runde. Diese Anleihe war unter der Schirmherrschaft von Berni Cornfelds IOS aufgelegt worden, zu einer Zeit, da dieses Investment-Imperium noch in voller Schein-)Blüte stand. Deutsche Banken drängten sich damals danach, ins IOS-Konsortium aufgenommen zu werden und boten ihrer Kundschaft Stücke dieser Anleihe an.

Bei Commonwealth handelt es sich um einen bis dahin ziemlich unbekannten Unterhaltungskonzern. Beim Verkauf der Wandelanleihe war dann auch weniger von der Gesellschaft selbst die Rede, als vielmehr von ihren hochfliegenden Plänen. Und im Verkaufen von Plänen war die IOS groß. So war es denn auch kein Wunder, wenn die Anleihe bald mit ihrem Kurs in die Gegend von 120 Prozent rückte. Wer damals verkauft hat, kann von Glück sagen. Denn inzwischen hat Commonwealth Overseas die Zinszahlungen eingestellt. Damit ist sie seit 1970 in Verzug. Der Kurs der Wandelanleihe wird heute auf 13 bis 14 Prozent geschätzt. Aus ehemals 1000 Dollar (kleinste Stückelung) sind also 130 bis 140 Dollar geworden, wobei der deutsche Anleger auch noch die Dollarabwertung auf sein Verlustkonto schreiben muß.

Lange Zeit blieb es um Commonwealth Overseas still. Das schuldbewußte Bankgewerbe rührte das heiße Thema nicht an. Um so überraschter waren die Wandelanleihe-Besitzer, als Commonwealth Unites Corporation jetzt das Angebot veröffentlichte, jedes 1000-Dollar-Stück der Wandelanleihe (einschließlich der aufgelaufenen Zinsen) in 9,92 Stück Stammaktien der Seeburg Industries Inc. umzutauschen. Daneben bekommt der Wandelobligationär noch das "Recht" zum Erwerb von drei weiteren Seeburg-Aktien zum Kurs von 17,50 Dollar.

Die Option auf diese Aktien ist im Augenblick nichts wert, denn die Seeburg-Aktien schätzt man auf 9,50 bis 10,50 Dollar je Stück.

In dem Umtauschprospekt wird ein unverkennbarer Druck auf die Wandelobligationäre ausgeübt. Es heißt nämlich ausdrücklich, daß die Wandelobligation eine "ungesicherte" Schuldverschreibung ist, daß sich Overseas wie Commonwealth nicht in der Lage sehen, ihren laufenden und künftigen Verpflichtungen nachzukommen und daß die Alternative zu dem Umtauschangebot ein Konkurs- oder Sanierungsverfahren sein wird. Die Wandelobligationäre müssen sich bis zum 31. August entscheiden.

Nun ist guter Rat teuer. Die Banken sehen sich in der Regel nicht in der Lage, ihn zu geben, weil die Seeburg Industries Inc., Hersteller von Automaten- und Musikapparaten, ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist. Seeburg, das scheint festzustehen, wird in absehbarer Zeit keine Dividende zahlen. Von der Rendite verbessert sich das Wandelobligationär durch den verbessert also nicht. Bestenfalls können Seeburg-Aktien als Hoffnungswerte gelten.