Der Bauernverband wehrt sich gegen Antibiotikakontrolle bei Schlachtvieh

Käte Strobel, Bundesgesundheitsministerin, hat sich wieder einmal mit der Grünen Front angelegt. Stein des Anstoßes ist ein neuer Test, den sie bei der Fleischbeschau einführen will, um künftig Frischfleisch zu garantieren, das frei von antibiotischen Wirkstoffen ist.

Im Gesundheitsministerium bestand begründete Hoffnung, daß auch die Bauern die Strobelschen Maßnahmen begrüßen würden. Hat sich doch sogar der Bauernverband mehr und mehr für "entgiftete" Nahrung eingesetzt, wie erst jüngste Proteste der Grünen Front gegen die Einfuhr von mit Depotgiften versetzten Futtermitteln aus Argentinien bewiesen (ZEIT vom 28. Juli 1972).

Die Hoffnung freilich war verfrüht. Bauernpräsident Freiherr von Heereman möchte zwar auch den sogenannten "grauen Arzneimittelmarkt" eingeschränkt wissen, denn gerade auf diesem Markt werden den Bauern oft Wirkstoffe verkauft, die sich später als gesundheitsschädlich erweisen, doch der Bauernführer meldete Bedenken gegen den neuen Strobel-Test an.

Bedenklich fand Heereman, daß bei diesem Test positive Befunde auch dann auftreten, wenn sich der Bauer strikt an die Futtermittelgesetze hält, die den Zusatz von Antibiotika in bestimmten Mengen erlauben. Überdies hat Heereman herausgefunden, daß "andere Antibiotika von dem Test auch dann nicht erfaßt werden, wenn sie in unverantwortlich hoher Konzentration vorliegen und zum Teil toxisch sind".

Dem Einwand begegnet das Gesundheitsministerium mit dem Hinweis, daß die Futtermittelbestimmungen selbstverständlich geändert werden müßten, sofern danach noch erlaubt ist, was auf Grund der Testergebnisse verboten werden müßte. Im übrigen aber ist man im Strobel-Ministerium der Auffassung, der Test zeige allemal, "ob in einem Lebensmittel Rückstände von Stoffen enthalten sind, die bakterienhemmend wirken". Und eben das möchte Käte Strobel unterbinden. Die Antibiotika sollen nur dann wirken, wenn sie wirklich benötigt werden – bei Krankheiten.

Da jedoch wissenschaftlich noch nicht sicher geklärt ist, ob die antibiotischen Rückstände in Nahrungsmitteln schädlich sind und in welchen Mengen sie gefährlich sein können, empfahl Bauernpräsident Heereman, von dem umstrittenen Test zunächst Abstand zu nehmen. Statt dessen sollte das Ministerium mehr Forschungsmittel aufbringen, um "zahlreiche Wissenslücken gerade im Bereich der Rückstandsproblematik zu schließen".