Die Filme über Rock-Gruppen und -Konzerte sind zu einem eigenen Genre geworden. Fast immer wurden sie mit ungeheurem Aufwand produziert (über hundert Stunden belichtetes Material bei "Let it be", "Woodstock" oder "Gimme Shelter"), ganz selten aber waren sie auch ein musikalischer Genuß.

Statt die Arbeit an und die Entstehung von Musik zu zeigen, das optische Medium in den Dienst der Ausübenden zu stellen und das Musizieren, die Musik selber also sichtbar zu machen (wie es zum Beispiel den Rolling-Stones-Passagen in Godards "One plus One oder Straubs Badi-Film gelungen ist), waren es im Grunde Filme gegen die Musik: Unglücklich postierte Mikros, übersteuerte Orchester und schlampige Endmischungen machten die verschiedensten Gruppen, Nummern, Stile und Arrangements zu einer unprofilierten Geräuschsauce; die unkritische Konzentration auf die großen Namen, auf das eitle Getue hinter und auf der Bühne und den glatten Show-Drill vor der Kamera zwangen den Zuschauer in die Haltung des verzückten oder blöde gaffenden Fans; eine aufdringliche Film-Ästhetik mit knalligen Effekten, psychedelischen Tricks, mehrfach aufgeteilter Leinwand, Farb-, Schnitt- und Kameragemansche lenkte immer nur von der Musik ab.

Wer aber glaubte, mit der etwas makabren und zynischen Dokumentation "Gimme Shelter" über das Inferno von Altamont im Dezember 1969 sei nicht nur die Rock- und Underground-Szene, sondern auch das Genre der Rockmusikfilme tot, der sah sich getäuscht. Letztes Jahr tauchten zwei neue Filme auf, Frank Zappas surrealistische Multi-Media-Show "200 Motels" und die unverwüstlich euphorischen "Mad Dogs and Englishmen" aus Anlaß einer Tournee von Joe Cocker und Leon Russell.

Und nun gibt es wieder zwei neue Filme, von denen einer aber gar nicht erst gestartet wird: "Fillmore", eine völlig mißglückte und überflüssige Elegie über die drei letzten Tage des berühmten gleichnamigen Rocktempels in San Francisco, und die Aufzeichnung des von Ravi Shankar initiierten und von seinem Schüler George Harrison organisierten "Concert for Bangladesh" vom 1. August 1971 im New Yorker Madison Square Garden.

"Fillmore" bietet viel dürftige Musik, unzählige Musterbeispiele dafür, wie man mit unmotivierten technischen Ekstasen Musik verhunzt – und immer wieder Bill Graham, den Ex-Leiter des Fillmore East und des ebenfalls eingegangenen Fillmore West in New York. Wo er kann, drängt er sich vor die Kamera, redet unsäglich eitles Zeug, präsentiert sich als unausstehlicher Paranoiker. Er kam mit seinem Film zur Berlinale und wurde von dem jugendlichen Publikum einer Sondervorstellung beschimpft und ausgebuht. Nach diesem Test hat der Verleih "Fillmore" zurückgezogen.

Der Erlös der zwei Konzerte, des CBS-Albums (drei Platten) und des Films "The Concert for Bangladesh" kommt den Opfern des ostpakistanischen Bürgerkriegs zugute. Den Film sollte man trotz der wenigen und überflüssigen – Zwischenschnitte mit Szenen aus Indien nicht als verhinderte politische Auseinandersetzung mißverstehender ist ein Rockmusikfilm wie die anderen, nur um vieles unprätentiöser und zurückhaltender. Ohne Fisimatenten drehten sechs Kameras rund um das Podium das Benefiz-Konzert mit. Dieses Zufallsprinzip ergab schöne, zuweilen etwas unterbelichtete, meist aber wohltuend funktionale Bilder. Die Regie, zerlegt die einzelnen Nummern in plausible Details und illustrative, nicht dekorative Perspektiven, drängt den Musikern keine Starallüren auf, ignoriert allerdings weitgehend das Publikum.

Wem es allein. um die Musik geht, der sollte trotzdem die offenbar überarbeitete Platte kaufen. Der Soundtrack ist miserabel: Ein Mammutorchester mit permanenter Beschäftigungstherapie und 44 Mikros seichten fast alles ein, nur wenige Songs mit kleiner Begleitung können sich dagegen durchsetzen.