Idi Amin, Ugandas großsprecherischer und unberechenbarer Präsident, hat den dritten Überraschungscoup seiner 18monatigen Regierungszeit gelandet. Unmittelbar nach dem Putsch, der ihn an die Macht brachte, beschuldigte er das Nachbarland Tansania, zusammen mit dem gestürzten Präsidenten Milton Obote eine Invasion vorzubereiten. Diese Behauptung mußte er zurücknehmen.

Im März wies er aus heiterem Himmel 700 Israelis aus, deren technische Hilfe (unter anderem flogen sie sein Flugzeug) bis heute unersetzt ist und denen er seine militärische Spezialausbildung verdankt. Der Friedensschluß im Südsudan und libysche Versprechungen legten ihm ein Arrangement mit der arabischen Welt nahe.

Am Freitag vergangener Woche verkündete er nun, bis zum 4. November müßten alle 80 000 Asiaten mit britischen Pässen – hauptsächlich Inder und Pakistani – das Land verlassen. Sein Entschluß, so erläuterte er einen Tag später jubelnden Zuschauern eines Motorradrennens, sei "endgültig". Seine Geduld mit den Asiaten, die Ugandas Wirtschaft sabotierten und die "Kuh melken, aber nicht füttern", habe sich endgültig erschöpft. Schließlich trage Großbritannien die Verantwortung für seine Untertanen. Und um seine kompromißlose Haltung gegenüber London zu unterstreichen, verfügte er den Aufkauf der British-American Tobacco Company – sie betreibe ebenfalls "Wirtschaftssabotage". Von einer Entschädigung für die ausgewiesenen Asiaten war bisher nicht die Rede, wohl aber davon, daß ugandische Kollektive ihre Unternehmen übernehmen sollten – die schwarze Rasse habe auch wirtschaftlich den Ton anzugeben.

Amins Zahlen waren etwas hochgegriffen: Nach der Unabhängigkeit Ugandas 1962 optierten viele Asiaten für den ostafrikanischen Staat; formell britische Staatsangehörige sind aber höchstens 45 000 Personen, Indien: hat freilich gleich abgewinkt; an einer Massenzuwanderung hat es kein Interesse, und London denkt nicht daran, Amin zuliebe die jährliche Einwanderungsquote von 3000 Farbigen zu erhöhen.

Das asiatische Problem in Uganda ist nicht neu. Die rührigen Inder und Pakistani bilden zum Ärger der Neger die wirtschaftlich vorherrschende Mittelschicht. Schon Obote hatte ihre Abschiebung versucht; die britische Regierung sah im Januar 1971 seinen Sturz nicht ungern, weil sie sich von seinem Nachfolger in dieser Frage mehr Konzilians erhoffte.

Doch seit gut neun Monaten betreibt Amin eine Anti-Asiaten-Kampagne. Im Spätherbst mußten sich alle Asiaten – gleich, ob Staatsbürger oder nicht – für eine Sondersteuer registrieren lassen. 12 000 Bewerbungen um die ugandische Staatsangehörigkeit wurden annulliert. In Kenia (140 000 Asiaten, davon die Hälfte Staatsbürger) und Tansania (105 000 Asiaten, davon 35 000 Staatsbürger) kam es zu Diskriminierungen. In ganz Ostafrika hat sich die Zukunft der seit mehreren Jahrhunderten dort ansässigen Inder verdüstert.

Das Hauptmotiv für Amins Schritt wird allerdings in innerpolitischen Schwierigkeiten vermutet. Steigende Preise für Grundnahrungsmittel und Wehrdienstpflicht haben Amins Popularität geschmälert. Landflucht, Inflation, steigende Arbeitslosigkeit sind unbewältigte Probleme; Vor allem scheint ihm die Kontrolle über die Armee zu entgleiten: Klagen über räuberische Angriffe von Soldaten auf Zivilisten mehren sich. Die als reiche Minderheit verhaßten Asiaten sind ein naheliegendes Ziel, von den inneren Schwierigkeiten abzulenken.