Rudolf Walter Leonhardt: "Deutschland". Vier faszinierende Eigenheiten hat dieser prächtige Bildband – mich jedenfalls faszinieren sie. 1. Wer Woche für Woche an einem ach allzu vergänglichen Produkt für 1,50 DM mitwirkt, dem macht es schlicht Spaß, sich einmal (zum erstenmal) an so einem Luxus-Pracht-Unternehmen für 98 Mark zu engagieren – ein wenig weniger vergänglich könnte so was doch sein. 2. Wer Woche für Woche Kritisches, wohl gar Polemisches verantworten muß, fühlt sich sonderbar erhoben, wie ein Buffo als Heldentenor, wenn er mitwirken kann an etwas zunächst einmal widerspruchsfrei Wunderschönem – das ich rühmen darf, weil die Schönheit dieses Bandes mein Verdienst gewiß nicht ist, sondern allein das der Photographen und der Hersteller. 3. Es reizte mich die Aufgabe, in dieses ein wenig allzu sonnige Deutschland-Bild der Farb-Photographen Text-Schatten zu setzen: damit unter der Schönheit die Glaubwürdigkeit nicht mehr als nötig leide. 4. Die (mir jedenfalls) neue Aufgabe habe ich durch eine (mir jedenfalls) neue journalistische Form zu lösen versucht, nämlich durch die "Bildunterschrift als Glosse". Etwa hundert Bilder waren zu "betexten": Ich habe dafür etwa hundert Glossen geschrieben, die von einer Bildbeschreibung ausgehend weit aus dem Bild hinausführen. Das Verfahren ist gewiß anfechtbar, und noch anfechtbarer seine Verwirklichung. Aber ich war diese 08/15-Bildunterschriften so leid; und es mußte ein Kontrapunkt gesetzt werden zu den allzu schönen Bildern. Wenn gelungen wäre, was beabsichtigt war, dann müßte dieser Band jetzt zeigen, wie fragwürdig Deutschland ist – und wie schön! (Bücher Verlag, Luzern/Frankfurt; 164 S., 96 Farbtafeln, Großformat, Ln. 98,– DM.)

Rudolf Walter Leonhardt

Sybil Gräfin Schönfeldt: "Knaurs Schönheitsbuch". Das Buch will bestätigen, daß Frauen einen Anspruch auf Schönheit besitzen, daß Schönheit längst nicht mehr eine Sache der persönlichen Eitelkeit, sondern-durch Umweltschäden und das enge Zusammenleben vieler-eine Frage der Gesundheitspflege und der Sozialhygiene geworden ist. Das schließt ein, daß Schönheitspflege keine Domäne der Frauen ist, sondern Kinder und Männer genauso betrifft. Dazu gehört: die kosmetische Industrie betreibt immer noch das Geschäft mit der Hoffnung und informiert unzulänglich oder gar nicht über ihre Produkte und deren tatsächliche Wirksamkeit. Der zweifelhafte Erfolg dieser Haltung: Schönheit wird in einer Zeit des Konsumrausches als kaufbar suggeriert und begriffen, was notwendigerweise zu Enttäuschungen oder Minderwertigkeitsgefühlen der Verbraucher führen muß. Deshalb konzentriert sich das Buch auf die wenigen gesicherten Tatsachen, auf das, was man von pflegender und dekorativer Kosmetik erwarten darf und was nicht. Es betont im Sinne der Gesamtheitskosmetik die Rolle richtiger Ernährung und Lebensführung. (Verlag Droemer Knaur, München; 264 S., 22,– DM.)